Kommunikation im Katastrophengebiet
"Das Assessment-Team des IKRK sondiert gerade vor Ort", sagt Karl Dopler von der "Emergency Response Unit" [ERU] Telecom des Roten Kreuzes Österreich, "wir warten auf den Marschbefehl." Noch nicht klar sei, so Dopler weiter zur FuZo, wer diesen Befehl wirklich kriegt.
Neben den Österreichern warten die übrigen drei ERUs Telecom [Deutschland, Japan und Spanien] des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz [IKRK] auf einen möglichen Einsatz im Katastrophengebiet von Goma.
Aufgabe wird sein, die Kommunikationslinien an Ort und Stelle und nach Genf und Wien aufrechtzuerhalten. Zu diesem Zweck haben die Österreicher eine ganz Reihe verschiedenster Technologien im Gepäck.
Kurzwelle
Zur Langstrecken-Kommunikation wird eine leistungstarke
Codan-Basisstation [9360] mit einer Breitband-Faltdipol-Antenne auf
Kurzwelle zum Einsatz kommen. Darüber werden die Daten mit dem
relativ sicheren Protokoll Pactor2 übertragen, das nicht von jedem
Kurzwellen-Amateur einfach so mitgelesen werden kann.
Codan-9360-BasistationSatellit und VHF
Aus Kostengründen wird Satellitentelefonie und Datenfunk via Inmarsat nur als Backup benützt werden.
Zur Kommunikation im Kongo sind zwei mobile Codan-Einheiten [9350] vorgesehen, aber auch Funkgeräte im VHF-Bereich.
Zehn Handsets und vier mobile Einheiten von Motorola [GP 340 bzw. GM 300] seien im Standardpaket enthalten, sagt Dopler, mehr könnte man jederzeit aus Genf anfordern ¿ wenn die Sicherheit der Anlagen gegeben sei.
Gefährdete Repeater für VHF
Um ein VHF-Funknetz zur Verbindung der einzelnen Lager
aufzubauen, braucht es nämlich so genannte Repeater
[Relaysstationen] mit eigener Stromversorgung. Beides ist in
Katastrophenregionen äußerst gefährdet, gestohlen zu werden.
Motorola GM 300
Motorola GP 340TCP/IP und die Vielseitigkeit
Dazu kommt natürlich noch Equipment, um ein TCP/IP-Netzwerk von zehn Maschinen aufzubauen, das dann an Kurzwellengeräte oder Inmarsat-Equipment andockt.
Freiwillige habe man einerseits genug, sagt Dopler, anderseits fehlten sie. So gebe es genügend Netzwerker, aber nur ganz wenige Techniker hätten das gesamte notwendige Spektrum drauf.
Die "Telecom Emergency Response Unit" aus Österreich hat bereits eine Reihe von Auslandseinsätzen im Kaukasus, Indien und Albanien hinter sich.
Wenn jemand helfen kann und will
Falls Menschen aus dem p.t. Publikum der FuZo, die über die
geforderte Overall-Qualifikation verfügen, Dopler kontaktieren
wollen, ersuchen wir um eine Mail an den Autor oder an
tante.jutta@orf.at
Telecom-ERUs des Roten Kreuzes
Das Pactor-2-ProtokollDatenfunk-Legende Joerg Klingenfuss hat Pactor 2 bereits geknackt und bietet eine allerdings nicht ganz günstige PC-Karte dafür an.
Joerg Klingenfuss
