22.01.2002

RUSSLAND

Bildquelle: TechWeb

TV-Sender flieht vor Zensur ins Netz

Das einzige landesweit ausgestrahlte Privatfernsehen in Russland hat heute sein Programm eingestellt.

Das Moskauer Medienministerium hatte sich zuvor geweigert, die Lizenz des überschuldeten Senders TW-6 zu verlängern.

Die Nachrichten von TW-6 sollen künftig vom Radiosender Moskauer Echo gesendet und ins Internet gestellt werden. Allerdings verfügen nur etwa fünf Prozent der russischen Bevölkerung über einen Internet-Zugang.

Kritik

Journalisten und Nichtregierungsorganisationen bezeichneten das Vorgehen als "Vergeltungsaktion" der Regierung, weil mehrere Mitarbeiter des früheren regierungskritischen Senders NTW nach dessen Schließung zu TW-6 gewechselt waren.

TW-6-Generaldirektor Jewgeni Kisseljow beschuldigte den russischen Präsidenten Wladimir Putin, bei der Schließung "seine Hände im Spiel" zu haben.

Sergej Buntman, der stellvertretende Chefredakteur von Radio Moskauer Echo, dem einzigen Privathörfunk von nationaler Bedeutung, sprach von einer "Kampagne zur Zerstörung unabhängiger Medien". Er äußerte die Befürchtung, dass sein Sender "als nächster an der Reihe" sein könnte.

TW-6 gehört zu 75 Prozent dem Oligarchen und Gegner Putins, Boris Beresowski. In der vergangenen Woche hatte ein Moskauer Gericht den Sender für bankrott erklärt. Der bis dahin ebenfalls unabhängige Sender NTW war im vergangenen April nach finanziellen Schwierigkeiten vom staatseigenen Energiekonzern Gasprom übernommen worden. Die TW-6 entzogene Lizenz soll am 27. März neu vergeben werden, wie Informationsminister Michail Lessin mitteilte.