Computer mit Gedanken steuern
Dank ausgeklügelter Technik können so genannte "Locked in"-Patienten rein durch ihre Gedanken mit der Umwelt kommunizieren, obwohl sie keine Muskelfaser in ihrem Körper willentlich bewegen können.
Wie Niels Birbaumer, Psychologe an der Universität Tübingen, bei einem Vortrag in Wien gezeigt hat, können manche seiner "Locked in"-Patienten mit entsprechender Übung sogar selbstständig im Internet surfen.
Das "Locked in"-Syndrom
Das so genannte "Locked in"-Syndrom kann verschiedene Ursachen
haben. So verlieren Patienten, die an amyotropher Lateralsklerose
[ALS] leiden, nach und nach jede Kontrolle über ihre Muskulatur,
letztlich müssen sie sogar beatmet werden. Die Gedankenwelt bleibt
jedoch intakt. Ähnlich verhält es sich mit Menschen, deren Stammhirn
- etwa durch einen Schlaganfall - geschädigt ist. Nach einer
Schätzung von Birbaumer haben rund 20 Prozent vermeintlicher
Koma-Patienten eine "relativ normale Informationsverarbeitung" im
Gehirn und könnten über geeignete Methoden mit ihrer Umwelt wieder
Kontakt aufnehmen.
Universität TübingenPC hilft bei Kontrolle der Gehirnaktivität
Um mit ihren völlig gelähmten Patienten kommunizieren zu können, leiten die Tübinger Forscher unter anderem Gehirnströme ab. Ein Computer erfasst diese Muster und lässt auf dem Bildschirm einen Punkt erscheinen.
Ändern sich die Gehirnströme, so wandert der Punkt über den Bildschirm. Nach und nach lernt der Patient mit dem Computer seine Gedanken so zu ordnen, dass er den Punkt in eine gewünschte Richtung bewegen kann.
Gedankenkraft statt Joystick
Göttinger Mediziner haben ein Computerspiel für hyperaktive
Kinder entwickelt, das statt mit dem Joystick durch "die Kraft der
Gedanken gesteuert" wird.
Gedanken-gesteuertes ComputerspielGeübte Patienten surfen im Internet
Später lernen die Patienten Worte und Sätze zu formulieren. Dazu laufen am Bildschirm Buchstaben ab, erscheint der gewünschte, denkt der Patient nach einem bestimmten Muster und übermittelt dem Computer gleichsam ein Ja.
Der Buchstabe bleibt stehen und wird dem Wort oder dem Satz angefügt. Pro Buchstabe brauchen geübte Patienten 15 bis 20 Sekunden.
Ist die Sprache über den Computer einmal erlernt, so lassen sich über die Gedanken auch Befehle ausführen, der Patient kann beispielsweise sogar im Internet surfen.
