Österreich und die Internet-Sucht
Spätestens seit dem Boom des World Wide Web Mitte der Neunziger flackern in vorhersehbarer Regelmäßigkeit Diskussionen um die Modekrankheit "Internet-Sucht" auf.
Nach dem Buch, dem Fernseher und dem Computer hat auch das vergleichsweise junge Medium Internet das Prädikat Suchtgefahr verliehen bekommen.
Vergangenes Wochenende wurde das Thema bei einem Symposion in Wien behandelt. "Sucht heute: Vom Heroin zum Internet" - unter diesem plakativen Titel wurde vom Anton-Proksch-Institut in Kalksburg eine Fortbildungsveranstaltung für Ärzte abgehalten.
Internet statt Heroin
Demnach sind in Österreich bereits mehr Menschen vom Internet abhängig als von Opiaten. "Mindestens 30.000 Personen" kämen von der virtuellen Realität nicht mehr los.
Keine automatische Sucht
"Das Internet per se macht zwar niemanden automatisch süchtig - aber wie bei anderen nicht stoffgebundenen Süchten konnten in zahlreichen Studien Ergebnisse publiziert werden, die darstellen, dass gefährdete Personen in einem Ausmaß von zumindest drei Prozent der User eine süchtige Verhaltensstörung im Gebrauch des Mediums Internet entwickeln", erklärte Oberarzt Hubert Poppe in der Zusammenfassung seines Vortrages.
Er bezieht sich dabei unter anderem auf eine Studie, die bereits im April 2001 veröffentlicht wurde.
"30.000 Österreicher sind Internet-süchtig"Verlangen wird "häufig und unüberwindlich"
Als Kriterium Nummer eins gilt: "Häufiges unüberwindliches Verlangen, sich ins Internet einzuloggen". Weitere Anzeichen sind Kontrollverluste [längeres "Online-Sein" als beabsichtigt] verbunden mit diesbezüglichen Schuldgefühlen.
Auch das Nachlassen der Arbeitsfähigkeit, Bagatellisierung der Gebrauchsgewohnheiten und fehlgeschlagene Versuche, den Gebrauch einzuschränken, erinnern an klassische Merkmale zur Suchterkennung.
Gefährdet sind der Studie zufolge besonders allein Stehende, Arbeitslose und Menschen, die zu süchtigem Verhalten neigen.
Laut Poppe gibt es kein spezielles Charakterbild, das für eine Internet-Sucht prädestiniert. Spezialisten haben mittlerweile einen Diagnose-Fragen-Katalog erstellt, mit dem sich eine Internet-Abhängigkeit recht leicht feststellen lässt. Die Therapie einer Internet-Sucht müsse individuell erfolgen. Psychotherapie und auch Medikamente kämen in Frage.
Poppe wünscht sich Präventionsmaßnahmen: Anbieter von Chatrooms und Online-Spielen sollten auf den Einstiegsseiten auf die Gefahr der Abhängigkeit hinweisen.
