Urheberstreit um "Ginger"
Ausgerechnet in Japan droht dem Erfinder des nach langer Geheimhaltung vor rund einem Monat präsentierten smarten Scooters "Segway" ein Patentstreit.
Der High-Tech-Roller des Erfinders Dean Kamen galt lange Zeit als "geheimste und wichtigste Erfindung des Jahrzehnts" bis Segway im Dezember präsentiert wurde und zukünftig nicht weniger leisten soll, als die Verkehrsprobleme der urbanen Ballungszentren zu lösen.
Bei der Etablierung des Fahrzeugs, das in der Konsumentenversion rund 3.000 USD kosten soll, sollte Japan eigentlich eine Schlüsselrolle spielen, da hier extremer Platzmangel in den Großstädten, eine starke Technikbegeisterung und auch die passende Kaufkraft kombiniert zu finden sind.
Kazuo Yamafuji, Professor an der Universität Tokio, macht jetzt allerdings geltend, dass er das Prinzip des Segway, der unter dem Projektnamen "Ginger" entwickelt wurde, schon vor 15 Jahren erdacht hat - und seit 1996 auch ein Patent auf seine Idee hält.
"Top Secret", das war lange Zeit alles, was Kamen zu Ginger zu sagen hatte. Nur wenigen Erwählten gewährte Kamen Einblick in seine Forschung, darunter Bill Gates und Apple-Boss Steve Jobs. Jeff Bezos, CEO von Amazon, soll dem Vernehmen nach vor Lachen vom Stuhl gefallen sein, als er Ginger gesehen hat.
"Neue Erfindung wichtiger als Internet"Smarter Roller
Erfinder Dean Kamen hat Anfang Dezember Prototypen seines von sechs Prozessoren gesteuerten zweirädrigen Zukunftsmobils namens "Segway" vorgestellt. Im Segway steckt die Rechenleistung von drei derzeit gängigen PCs.
Mit einem Roller hat Ginger aber nur die zwei Räder gemeinsam. Das Fortbewegungsmittel im Handrasenmäher-Design ist High-Tech pur.
Vollgestopft mit Hard- und Software trägt es seinen Fahrer mit bis zu zwölf Meilen pro Stunde [knapp 20 km/h] durch die Gegend. Gesteuert wird mit Körberbewegungen, die das empfindliche Standpodest aufnimmt. Vorwärtslehnen heißt Gasgeben, eine Rückwärtsbewegung Stoppen. Bremsen fehlen ganz.
Mit Segway sind Drehungen auf der Stelle möglich. Die in Ginger integrierten Prozessoren und Gyroskope [Kreiselvorrichtungen] berechnen 100 Mal pro Sekunde Straßenlage und Schwerpunkt und balancieren entsprechend aus. Das optisch kipplig wirkende Gefährt soll so auf jedem Belag zu jeder Zeit stabil sein, sogar auf Eisflächen. Selbst ein harter Stoß kann Segway samt Fahrer nicht aus dem Gleichgewicht bringen.
Geheimprojekt "Ginger" enthüllt15 Jahre früher
Professor Yamafuji macht jetzt geltend, dass er das Prinzip, nach dem "Ginger" funktioniert, schon vor 15 Jahren erdacht und auch einen Prototyp gebaut hat. Ausserdem hat Yamafuji 1987 in Japan ein Patent auf seine Entwicklung beantragt, das ihm 1996 auch genehmigt wurde.
Patent-Spezialisten gehen davon aus, dass Dean Kamen zwar in den USA keine Probleme mit der Vermarktung seines Rollers bekommen sollte, in Japan könnte dies allerdings an Yamafujis Patenten scheitern:
"Ich habe diese Maschine schon vor 15 Jahren gebaut," machte Yamafuji jetzt geltend, betonte aber gleichzeitig, dass er Kamen nicht vorwirft, seine Idee nur nachgeahmt zu haben.
Segway"Parallel-Fahrrad"
Yamafuji nennt seine Erfindung "Parallel-Fahrrad" und er hat neben der Version mit zwei Rädern auch eine mit vier und sogar eine, die Treppen steigen kann, entwickelt.
Gary Bridge, Vizepräsident von Segway, Kamens Unternehmen für die Vermarktung des Rollers, sagte allerdings, das Fahrzeug seiner Firma beruhe auf einer "signifikanten Weiterentwicklung früherer Techniken" und sei daher als eine originäre Erfindung anzusehen.
