Das Jahr des "Vertrauensverlustes"
Die dpa hat "Vertrauensverlust" als das Wort des Jahres für den Neuen Markt ausgemacht.
Der NEMAX 50 hatte sich mit einem Stand von 2.869,01 Punkten vom Jahr 2000 verabschiedet - weit entfernt vom Höchststand der Spekulationsblase bei 9.694,07 Punkten. Kein Wunder also, dass sich wohl so mancher Privatanleger zu Silvester wieder steigende Kurse am Neuen Markt für 2001 gewünscht haben mag. Doch zum Jahresende dümpelt der Leitindex unter 1.200 Punkten.
Und angesichts handfester Skandale, undurchsichtiger Unternehmenspleiten, unbefriedigender Bilanzen und erdrutschartiger Kursverluste stellen viele die Frage, ob der einst gefeierte Marktplatz der "New Economy" überhaupt noch eine Existenzberechtigung habe.
Dezember 2000: Leichte Erholung bei IT-Werten erwartetSchlechter Start
Schon der Start ins Börsenjahr 2001 begann mit einem Paukenschlag, als Intershop völlig unerwartet eine Gewinnwarnung heraus gab.
Das Wertpapier stürzte binnen Stunden um 70 Prozent ab, die Intershop-Anleger verloren etwa vier Milliarden Euro - und der NEMAX 50 gut 227 Punkte. Selbst die Anteilsscheine des DAX- Unternehmens SAP stürzten an diesem Tag zeitweilig um 17 Prozent nach unten.
02.01.2001: Intershop zieht Neuen Markt in die TiefePleiten
Der Medienrechtehändler EM.TV stolperte schließlich über horrende Verluste, überteuerte Unternehmenskäufe und ein gescheitertes Geschäftsmodell. Unternehmenschef Thomas Haffa schaffte es mit seinem Rücktritt noch ein Mal auf die Titelseiten der Wirtschaftspresse, allerdings auch in die Akten der Staatsanwaltschaft.
Während ein neues EM.TV-Management die schwierige Rettung des Unternehmens probt, haben bei Brokat, Infomatec, Biodata und Metabox inzwischen die Insolvenzverwalter das Sagen.
Und auch die seit Jahren bei den Kinogängern etablierte Kinowelt muss trotz eines Rekordjahres an den Kinokassen um ihre Existenz kämpfen.
Brokat-Insolvenzverfahren eröffnetPennystocks
Die Deutsche Börse, Betreiber des Neuen Marktes, versuchte den Schaden mit einer Reform zu begrenzen. Titel, die als Penny Stocks weniger als einen Euro kosten, sollten aus dem Segment herausfliegen.
Das war allerdings schwerer als gedacht: Die Entertainment-Gesellschaft e-m-s new media AG und der mittlerweile insolvente Musiksoftware-Vermarkter eJay AG wehrten sich zum Beispiel vor Gericht bisher erfolgreich gegen den Rauswurf.
Zuletzt schien sich jedoch das Blatt zu Gunsten der Deutschen Börse - und damit vielleicht auch der Anleger - zu wenden. Überraschend scheiterte das Software-Unternehmen NSE AG mit seinem Antrag, weiterhin am schrumpfenden "Wachstumsmarkt" zu bleiben.
Neue Regeln für den Neuen Markt
