Paris begrüßt Fusion, US-Börse skeptisch
Die US-Anleger haben auf die Fusionspläne von Alcatel und Lucent wenig enthusiastisch reagiert, die Alcatel-Aktie stieg in Paris hingegen auf ein Jahreshoch.
Die Anleger in Paris haben auf die angekündigte Fusion von Alcatel und Lucent wohlwollend reagiert. Der Kurs des Alcatel-Papiers stand zu Börsenschluss auf einem Jahreshoch 13,38 Euro, was einem Zuwachs von 4,78 Prozent entspricht.
Die US-Anleger waren da schon weniger entzückt. Zwar war die Lucent-Aktie das bei weitem meistgehandelte Technologiepapier an der New York Stock Exchange, der Zuwachs fiel mit 1,3 Prozent aber recht mager aus.
An einem für Technologiewerte durchwegs freundlich verlaufenem Börsentag legten die Lucent-Konkurrenten Qualcomm und Motorola tagsüber mit 1,98 bzw, 2,71 Prozent wesentlich deutlicher zu.
Die Merger-Pläne wurden am Sonntagabend bekanntgegeben.
Führend bei Festnetz-Equipment
Sollte der Merger, der eigentlich eine Übernahme von Lucent durch Alcatel darstellt - die Franzosen werden in Zukunft 60 Prozent der Anteile halten - so über die Bühne gehen, wird das neue Unternehmen in der Sparte Equipment für Festnetz-Telefonie weltweit führend sein.
Der Festnetzbereich ist allerdings ein schwer umkämpftes Marktsegment, das durch neue Player aus dem Fernen Osten wie die chinesischen Huawei und ZTE Corp. immer mehr unter Druck gerät, die Margen sinken beständig.
Mobilfunk-Infrastruktur
Auf dem deutlich lukrativeren Mobilfunksektor bleiben Lucent/Alcatel auch zusammen hinter dem Marktführer Ericsson zurück, für die Schweden, die vor allem GSM und UMTS-Netze bauen, ist zwar Alcatel, nicht aber Lucent direkter Konkurrent.
Im Bereich Internet-Equipment bleibt Cisco Systems nach wie vor die unangefochtene Nummer eins.
Von Siemens wurden bereits mehrfach Überlegungen kolportiert, aus dem Festnetz-Bereich überhaupt auszusteigen.
Alcatel an Thales beteiligt
Zudem sind zwei Faktoren mit im Spiel, die schwer zu berechnen sind. Zum einen führt Lucent für die US-Regierung auch strategisch wichtige Aufträge durch, Alcatel ist wiederum in der französischen Rüstungsindustrie engagiert.
Die 9,5 Prozent Alcatels am Rüstungskonzern Thales, an dem der französische Staat 30 Prozent hält, sollen sogar noch aufgestockt werden.
Der kolportierte Einstieg des europäischen Luft- und Raumfahrtkonzerns EADS bei Thales dürfte für die Fusion auch nicht eben förderlich sein.
Alcatel verbuchte 2005 in 130 Ländern 13,1 Mrd. Euro Umsatz und 930 Mio. Euro Überschuss, Lucent hatte im Geschäftsjahr 2004/2005 [30. September] 7,8 Mrd. Euro umgesetzt
Unabhängige US-Tochter
Lucent muss im Rahmen der Fusion eine eigenständige und unabhängige Sparte für die Vereinigten Staaten bilden, da das Unternehmen Rüstungsverträge mit der US-Regierung hat.
"Dieses Tochterunternehmen würde durch einen eigenen Vorstand aus drei für die US-Regierung akzeptablen Bürgern der Vereinigten Staaten gemanagt", sagte Lucent-Chefin Patricia Russo, die auch dem fusionierten Konzern vorsitzen soll.
Erster Merger 2001 gescheitert
An den Engagements beider Firmen im nationalen militärisch-elektronischen Komplex war ein geplanter Merger von Lucent und Alcatel bereits im Jahr 2001 gescheitert.
Dieser Artikel wurde zusammen mit Studierenden des Journalismus-Studiengangs 03 an der FH Joanneum Graz erstellt.
