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Smartes Stromnetz treibt Breitbandausbau an

NETZ
05.03.2010

Die Aufrüstung der Stromnetze mit digitaler Informationstechnologie unter Stichworten wie "Smart Metering" und "Smart Grids" könnte ein entscheidender Antrieb beim Ausbau der Glasfasernetze in Österreich sein. Die Regulierungsbehörde RTR fordert Telekoms und andere Netzbetreiber zu mehr Zusammenarbeit im Ausbau der Glasfasernetze auf.

"Die bisher von den Energieversorgern verwendeten Powerline-Schmalbandsysteme können bei einer hohen Frequenz von Abfragen der elektronischen Zähler und vom Kunden eingeleiteter Steuervorgänge in vernetzten Häusern schnell überlastet sein", sagte Georg Serentschy, Geschäftsführer des Telekombereichs der Regulierungsbehörde RTR, am Freitag zu ORF.at.

Konvergenz der Regulierung

Auch im Bereich der Regulierung sieht Serentschy mit dem Zusammenwachsen von Telekommunikations- und Stromnetzen "große Überschneidungen", wobei es vor allem darauf ankomme, ob die Energieversorger auch daran dächten, öffentliche Kommunikationsdienste anzubieten. Generell sei die Zusammenarbeit zwischen Telekoms und Energieversorgern beim Breitbandausbau aus seiner Sicht "die Methode der Wahl". Für eine weitere Anpassung des Telekommunikationsgesetzes sieht die RTR derzeit keinen Bedarf, die letzte Novelle sei ausreichend. Die Telekom- und Infrastrukturbetrieber würden sich nach Anlaufschwierigkeiten nun über die Durchleitungsbedingungen einigen, ohne den Regulierer anzurufen.

Glasfaser- und Mobilnetz der vierten Generation (LTE) würden einander "auf absehbare Zeit" gegenseitig ergänzen, so Serentschy. LTE würde vor allem bei der Versorgung des ländlichen Raums eine wichtige Rolle spielen. Die RTR sei gerade dabei, eine Studie über die Verteilung der digitalen Dividende, also der Frequenzpakete, die mit Abschaltung des analogen Fernsehens frei geworden sind, abzuschließen. Sie soll Mitte April dem Infrastrukturministerium übergeben werden. Danach sieht Serentschy das Ministerium am Zug, das im Rahmen der Frequenznutzungsverordnung die entsprechenden Vorgaben setzen müsse.

Digitale Dividende und Infrastrukturgesellschaft

Am vergangenen Freitag hatte August Reschreiter, Kabinettschef von Infrastrukturministerin Doris Bures (SPÖ), auf einer Veranstaltung der Sozialdemokraten zur IKT-Politik bereits betont, dass sein Haus dazu neige, die Frequenzen an die Mobilfunker zu versteigern, anstatt sie für neue digitale Rundfunkdienste zu verwenden. Eine Entscheidung dazu vor dem Sommer erwartet RTR-Chef Serentschy nicht, es sei aber "angemessen", noch vor Ende des Jahres die Verteilung festzulegen.

Zu der von der SPÖ vorgeschlagenen Gründung einer Festnetz-Infrastrukturgesellschaft sagte Serentschy gegenüber ORF.at, dass auch diese den üblichen Regulierungsbedingungen unterliegen würde: "Sie müsste eine bestimmte Anzahl von Vorleistungsprodukten anbieten. Es wäre keine Flucht aus der Regulierung möglich." Mit Umsetzung der Richtlinien aus dem EU-Telekompaket zum Mai 2011 in österreichisches Recht würde es auch möglich sein, die "funktionale Trennung", also die Herauslösung des Infrastrukturbereichs aus einem marktbeherrschenden Unternehmen, seitens des Regulators einzuleiten. Das sei aber nach wie vor die allerletzte Möglichkeit bei totalem Marktversagen, das in Österreich allerdings nicht gegeben sei. Die Telekom Austria (TA) könne aber im Zusammenspiel mit den diversen Interessengruppen von sich aus beschließen, eine solche Infrastrukturgesellschaft zu schaffen.

Breitband kein Universaldienst

Auch bei der Grundversorgung setzt die RTR auf den Wettbewerb. EU-Telekomkommissarin Neelie Kroes hat in dieser Woche die Konsultation zur Neufassung der Universaldiensterichtlinie gestartet. In dieser Richtlinie ist festgelegt, welche Basisdienste die Telekoms den Bürgern auch in entlegenen Gegenden anbieten müssen. "Eine Grundsatzfrage dabei ist, ob die Breitbanddienste auch zum Universaldienst gehören sollen", so Serentschy, "Wir glauben das nicht und werden uns auch entsprechend dazu äußern. Wettbewerb ist das sinnvollere Mittel, für den Breitbandausbau zu sorgen. Man sollte die Universaldiensterichtlinie nicht überfrachten."

Die RTR stellte auch den aktuellen Telekom-Monitor mit Daten zum österreichischen Markt bis Ende des dritten Quartals 2009 vor. Aus den Daten geht hervor, dass die Zahl der Festnetzanschlüsse sich sowohl bei Privat- als auch bei Geschäftskunden in den letzten Jahren stabilisiert habe. Gegenüber dem dritten Quartal 2008 und dem dritten Quartal 2009 gibt es demnach im Privatkundenbereich bei der Penetration keine Veränderung (jeweils 57 Prozent), die Anzahl der Festnetzanschlüsse ging im Jahresvergleich von rund 660.000 auf 619.000 leicht zurück. Hier hätten, so der Regulierer, die Kombi-Pakete der Anbieter den Schwund gestoppt. Reine Festnetzanschlüsse seien an Privatkunden allerdings mittlerweile unverkäuflich.

Mobilfunk-Marktdurchdringung steigt

Der Wettbewerb habe zu weiteren Rückgängen der Umsätze im Festnetz geführt - sowohl bei der Sprachtelefonie, wo der Umsatz im Vergleich der dritten Quartale 2008 und 2009 von 282 auf 260 Millionen Euro zurückgegangen ist, als auch beim Festnetz-Breitband (von 131 auf 122 Mio. Euro).

Die Mobilfunkpenetration in Österreich ist weiter gestiegen und liegt nun bei 136 Prozent (Q3 2008: 123 Prozent), es seien 4,2 Millionen 3G-SIM-Karten im Umlauf. Der SMS-Verkehr stagniert mit 1,377 Millionen "auf hohem Niveau", wie Serentschy zu berichten wusste. Im dritten Quartal 2008 verschickten die Österreicher 1,150 Millionen Kurznachrichten. Stabil bleibt auch der MMS-Versand, allerdings auf ungleich niedrigerem Niveau. Über diesen Dienst wurden im dritten Quartal 2009 8.084 Nachrichten in Österreich verschickt. Die Anzahl der Gesprächsminuten stieg im Quartalsvergleich von 2008 auf 2009 von 4,7 auf 5,1 Millionen, die Umsätze im Mobilfunk fielen im Q3-Quartalsvergleich 2008/2009 von 857 auf 830 Millionen Euro.

Marktanteile im Mobilfunk stabil

Die Marktanteile im Mobilfunk - inklusive der Discount-Töchter -sind laut RTR-Statistik seit 2006 weitestgehend konstant und schwanken nur um wenige Prozent. Zulegen konnte seit dem vierten Quartal 2006 vor allem Hutchison ("3"), und zwar von vier auf sieben Prozent. Im selben Zeitraum gaben Orange (von 22 auf 20 Prozent) und T-Mobile (von 36 auf 31 Prozent) ab; die mobilkom austria legte von 38 auf 42 Prozent zu. Diese Stabilität führt Serentschy auf die erfolgreiche Kundenbindung der Mobilfunker zurück.

Wachstum gibt es weiterhin im "mobilen Breitband", also bei den UMTS-Anschlüssen. Diese legten vom dritten Quartal 2008 auf jenes 2009 von 812.700 auf 1.182.100 zu. Die Anzahl der Festnetz-Breitbandanschlüsse wuchs im gleichen Vergleichszeitraum von 1.688.200 auf 1.835.200. Im dritten Quartal 2009 stieg die Anzahl der Breitbandanschlüsse - hier ist UMTS wohlgemerkt inkludiert - erstmals über drei Millionen, nämlich auf rund 3.017.300.

Schwerpunkt "grüne Telekommunikation"

Ein wichtiges Thema sieht die RTR in der "grünen Telekommunikation". Hierzu will die Behörde noch vor dem Sommer einen Fachkongress abhalten. Immerhin sieben Prozent des Stromverbrauchs eines Haushalts gingen mittlerweile auf das Konto von Büro-, Unterhaltungs- und Kommunikationsgeräten, so Serentschy.

Laut einer Studie des Fraunhofer-Instituts liegt der jährliche Gesamtverbrauch für den Betrieb der Telekommunikationsnetze in Österreich derzeit bei rund 811 GWh. Davon verbrauchen die Mobilnetze rund 62 Prozent. In Deutschland liegen Mobil- und Festnetz beim Energieverbrauch etwa gleichauf. Laut Serentschy wird der Energiebedarf der Telekomsysteme in Zukunft tendenziell noch weiter ansteigen.

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(futurezone/Günter Hack)