EU kritisiert Druckercodes
Kleine gelbe Punkte, die von Laserdruckern und Farbkopiergeräten auf Dokumente aufgebracht werden, sollen dabei helfen, Geldfälscher zu überführen. Sie gefährden jedoch auch die Privatsphäre der Gerätenutzer. Aus der EU-Kommission kommen nun mahnende Worte.
Der Umstand ist seit 2004 bekannt. Damals machte das US-Magazin "PC World" darauf aufmerksam, dass zahlreiche namhafte Druckerhersteller auf den Dokumenten, die mit Farblaserdruckern und -kopierern erstellt werden, versteckt deren Seriennummern aufbringen.
Das geschieht durch gelbe Punkte, die mit bloßem Auge auf den Ausdrucken kaum erkennbar sind und aus deren Positionen auf dem Papier die US-Behörden und Geheimdienste mittels eines speziellen Verfahrens die Seriennummer des Druckers auslesen können. Die US-Dienste wollen damit Geldfälschern auf die Spur kommen.
Ein Sprecher des Herstellers Xerox verglich die kleinen gelben Punkte gegenüber "PC World" mit einer Nummerntafel, mit der Geräte rückverfolgt werden könnten. Die Technologie komme bei allen namhaften Herstellern zum Einsatz, hieß es damals. Die Kunden wurden von den Herstellern darauf jedoch nicht aufmerksam gemacht.
Parlamentarische Anfrage
Der finnische EU-Abgeordnete Satu Hassi [Die Grünen] fragte Mitte November 2007 bei der EU-Kommission nach, ob es rechtmäßig sei, das oben beschriebene Verfahren mit den US-Codes auch in der Europäischen Union zur Anwendung kommen zu lassen.
Privatsphäre bedroht
Zwar gebe es keine spezifischen gesetzlichen Regelungen in der EU, die die Anwendung der Codes regeln würden, sie würden jedoch Fragen in Zusammenhang mit der Verletzung von Menschenrechten, insbesonders dem Schutz der Privatsphäre und dem Datenschutz, aufwerfen, beantwortete EU-Justizkommissar Franco Frattini die Anfrage des finnischen Abgeordneten.
"Gefahren erkannt"
Es sei nicht ohne Ironie, dass ausgerechnet Frattini, der derzeit mit seinen Plänen zur Flugdatenspeicherung [Passenger Name Records, PNR] von sich reden macht, einen solchen Standpunkt einnehme, meinte dazu die Electronic Frontier Foundation [EFF] am Mittwoch in einer Aussendung.
Die EU habe offenbar die Gefahren erkannt, die die Druckercodes mit sich brächten, so die EFF. Nichtsdestotrotz blieben zentrale Fragen im Zusammenhang mit der Entschlüsselung und Auswertung der Codes offen.
So will die EFF etwa wissen, ob die USA die Methode zur Entschlüsselung der Punktecodes mit europäischen Ermittlungsbehörden teilen und welche Behörden über das Wissen verfügen, die Ausdrucke ihrer Bürger nachzuverfolgen.
"Keine einzige Anfrage"
Ein Sprecher von Canon Österreich bestätigte gegenüber ORF.at, dass es weltweit bereits seit Jahren Abkommen zwischen Herstellern und Behörden gibt: "Das ist zur Vorbeugung notwendig."
An Canon Österreich sei bisher jedoch keine einzige entsprechende Anfrage gerichtet worden, so der Unternehmenssprecher. Die Identifizierungscodes kämen bei Canon ausschließlich bei Business-Produkten zum Einsatz.
Farblaserdrucker, die gelbe Punkte oder andere Identifikationsmerkmale mitdrucken, werden aber hierzulande auch an Privatkunden abgegeben. So findet sich etwa der Color Laserjet 2600 N von HP, der auf einer entsprechenden Liste der EFF aufscheint, in den Regalen heimischer Großmärkte.
Aufgrund der Sicherheitsrelevanz des Themas sei HP verpflichtet, Details der Zusammenarbeit mit Industrie und Zentralbanken vertraulich zu behandeln", teilte eine HP-Sprecherin ORF.at mit.
Allerdings sind Privatkunden, im Gegensatz zu Geschäftskunden, beim Hersteller selten namentlich registriert. Dennoch könnten etwa Geräte über die Seriennummer und den Vergleich mit anderen Ausdrucken zu ihren Besitzern rückverfolgt werden.
Ein Liste von untersuchten Druckern findet sich auf den Seiten der EFF. Die Datenschützer weisen jedoch darauf hin, dass das Ausdrucken der gelben Punkte nicht automatisch bedeute, dass damit auch Tracking-Informationen enkodiert werden.
Warnung vor Missbrauch
Die EFF warnte bereits 2005 vor dem Missbrauch des Tracking-Mechanismus.
So könnten über die Identifizierungscodes etwa Autoren anonymer politischer Pamphlete und Protestaufrufe ausgeforscht werden. Auch Papiere mit medizinischen Informationen oder sensiblen persönlichen Themen könnten identifiziert werden. Die behördlichen Ermittlungen seien rechtlich nicht geregelt und auch nicht richterlich überwacht, kritisierte die Datenschutzorganisation.
Es sei erschreckend, dass der US-Geheimdienst jahrelang mit den Herstellern zusammenarbeitete, ohne dass die Risiken für Anonymität und Privatsphäre solcher Technologien öffentlich diskutiert wurden, hieß es in einem Whitepaper der EFF aus dem Juli 2005. Der Organisation war es damals bei einem Test auch gelungen, den Code eines Geräts des Herstellers Xerox zu knacken.
Proteste in den USA
In den USA wehren sich Druckerkäufer bereits seit längerem gegen die Beeinträchtigung ihrer Privatsphäre durch die Tracker-Codes. Die US-Initiative seeing yellow zählte etwa bereits rund 15.000 Beschwerden bei Druckerherstellern. Die Kunden verlangten die Deaktivierung der Tracking-Mechanismen ihrer Geräte.
Seeing yellow will Bewusstsein für die kleinen gelben Punkte auf den Ausdrucken schaffen: "Schlimmer als Tracking-Codes auf Ausdrucken sind nur Tracking-Codes auf Ausdrucken, von denen die Nutzer nicht einmal wissen, dass es sie gibt", heißt es auf der Website der Initiative.
(futurezone | Patrick Dax)
