15.01.2001

RÄTSELRATEN

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"Neue Erfindung wichtiger als Internet"

Nach dem Auftauchen einiger Passagen aus einem geheimen Buchvorschlag hat der preisgekrönte Erfinder Dean Kamen alle Hände voll zu tun, einen mittlerweile ansehnlichen Hype wieder einzudämmen.

In seinem Proposal nämlich, das auszugsweise an die Öffentlichkeit gelangt ist, wird ein mysteriöses Gerät namens "IT" oder "Ginger" erwähnt, ein Gerät, das "wichtiger als das Internet oder der PC" sein soll.

Namhafte Köpfe investieren

Obwohl das Buch noch nicht geschrieben ist, hat die Harvard Business School Press prophylaktisch 250.000 USD dafür hingeblättert. Kein Wunder, denn die Entwicklung der geheimnisumwitterten Gerätschaft wird finanziell von niemand Geringerem als Steve Jobs [CEO Apple], Jeff Bezos [CEO Amazon.com] und dem Venture-Capitalist John Doerr [finanzierte Netscape, Amazon, Juniper Networks, Excite] unterstützt.

Insider halten sich bedeckt

Das Device soll "innerhalb von zehn Minuten mit einfachsten Werkzeugen" zusammenzubauen sein und in der Basisversion weniger als 2.000 USD kosten. Jeff Bezos orakelt: "Das Produkt ist so revolutionär, dass man kein Problem haben wird, es zu verkaufen. Die Frage ist eher, ob die Leute es überhaupt verwenden dürfen."

Steve Jobs meint kryptisch: "Wenn genug Leute diese Maschine sehen, wird man sie nicht überzeugen müssen, Städte drumherum zu bauen. Es wird einfach passieren."

Stadtplaner, Regulatoren und Gesetzgeber würden beraten, wie man Städte, Unternehmen und Plätze umbauen könnte, um sie für "IT" zugänglich zu machen, so ein weiterer Zuruf.

Ein Hinweis auf die Identität des mysteriösen Geräts könnte in der Vergangenheit des Erfinders Kamen liegen. Er verließ mit 20 das College, erfand die erste Medikamenten-Infusionspumpe; später die erste tragbare Insulinpumpe und das erste tragbare Dialysegerät. Seine letzte große Erfindung, für die er mehrmals ausgezeichnet wurde, war ein geländegängiger Rollstuhl, der auf zwei Rädern balancieren kann.

Fügt man die Auszüge aus dem Buchentwurf sowie die Aussagen von Bezos und Jobs zusammen, scheint das tatsächlich auf besagte Erfindung zuzutreffen. Blättert man das eingereichte Patent online etwas durch, tun sich wahre Fundgruben an visionären zeichnerischen Ergüssen anno 1900 auf.

Dampfmaschinen zur Vehikelbefeuerung sucht man freilich vergebens, dafür gibt es Skizzen von Einrad- und Skateboardversionen des fliegenden Handrasenmähers. Interessant ist auf jeden Fall das zu Grunde liegende Konzept, das das Gerät trotz der instabilen Form stets im Gleichgewicht hält, ähnlich dem geländegängigen Rollstuhl.

Im Jahr 2002 soll der Launch stattfinden; Investoren sagen dem Unternehmen voraus, dass es in fünf Jahren Microsoft überholen wird.

Man darf gespannt sein, ob Kamens Erfindung die Welt revolutionieren wird. Im Falle eines Fehlschlags ist dennoch der Trash-Kultfaktor nicht zu unterschätzen.