© Bild: ORF.at, Googlephone HTC G1

Google-Handy soll Österreicher werden

MOBILE BUSINESS
31.01.2009

Mit dem Google-Handy G1 will T-Mobile den heimischen Markt für mobiles Internet auf dem Handy vorantreiben, erklärt T-Mobile-Austria-Chef Robert Chvatal im Gespräch mit ORF.at. Außerdem soll die lokale Entwicklercommunity für G1-Anwendungen gestärkt und unterstützt werden. Das Gerät selbst bietet vor allem schnellen Internet-Zugang, wobei die Akkuleistung noch deutlich verbesserbar ist.

Nicht viele Handys haben zuletzt einen ähnlichen Hype wie Googles G1 verursacht - außer Apples iPhone. Seit Freitag nun bietet T-Mobile beide Geräte in Österreich an, wobei laut Chvatal das G1 besser beim Browsen im Netz und für das Versenden von Nachrichten ist, während das iPhone seiner Meinung nach vor allem durch seine Musikfunktionen glänzt.

Abgesehen von der schwachen Akkuleistung, an der laut Chvatal bereits gearbeitet wird, zeigte sich das G1 im Test als solides Gerät für den schnellen Internet-Zugriff von unterwegs, das wahrscheinlich weniger Blicke auf sich ziehen wird als manch anderes Mobiltelefon.

Chvatal selbst will auf die Frage, ob er das G1 oder das iPhone für das bessere Gerät hält, keine direkte Antwort geben: "Wie viele Dinge im Leben ist das Geschmackssache. Natürlich sind wir der Meinung, dass beide Geräte cool sind und auf den österreichischen Markt gehören. Das iPhone war zuerst da und hat Maßstäbe gesetzt, keine Frage. Das G1 soll nun aber das mobile Internet auf dem Handy in Österreich richtig vorantreiben."

Touchscreen, Trackball und Tastatur

Das von HTC gebaute G1 bringt neben einem Touchscreen sowohl eine QWERTZ-Tastatur als auch einen vom BlackBerry "entliehenen" Trackball mit. Tastatur und Trackball erweisen sich im Test als sinnvoll und nützlich, vor allem der Trackball erleichtert die Navigation, egal ob im Netz oder bei den Applikationen.

Die Tastatur erscheint erst, wenn das Handy aufgeschoben wird, wodurch das Gerät an Größe gewinnt und weniger gut in der Hand liegt. Das G1 kann zudem nicht alleine über den gut reagierenden Touchscreen bedient werden: Der schnelle Internet-Browser kann vom Desktop zwar mit einem Fingertipp gestartet werden, die Adresseingabe über die Tastatur ist aber erst nach einem Klick auf den Menü-Button möglich. Ist das Gerät zusammengeklappt, liegt es ausreichend gut in der Hand und kann einhändig bedient werden.

Optisch ist das G1 mit dem iPhone nicht vergleichbar, wirklich verstecken muss es sich aber auch nicht. Die schwarze Version wartet mit einer matten Oberfläche auf, während die weiße - wohl auch wegen der Verschmutzungsfahr - leicht glänzend ist.

Keine Werbepläne für Österreich

Für das Einrichten des G1 wird ein eigenes Google-Konto benötigt - damit laufen viele der Nutzungsdaten über den Internet-Dienstleister, der bekanntermaßen sein Geld vor allem mit Werbung verdient. Bei manchen Anwendungen wird auch bereits Werbung von Google eingeblendet, etwa bei bei den Highscores von Spielen.

T-Mobile Austria hat laut Chvatal derzeit keine eigenen Pläne, Werbung auf dem Handy anzubieten oder zu verkaufen, wie es etwa Konkurrent "3" bereits macht. "Das ist nicht die Hauptidee hinter dem G1. Die Grundidee ist die Popularisierung von mobilem Internet", erklärt der T-Mobile-Austria-Chef. Es sei noch zu früh und die Gruppe potenzieller Nutzer zu klein, um jetzt schon mit mobiler Werbung anzufangen.

T-Mobile wolle zuerst den grundlegenden Markt schaffen und dann prüfen, ob mobile Werbung ein mögliches weiteres Einkommen bieten könne - und auch, ob die Kunden das wirklich wollen. "Gezielte Werbung auf dem Handy mag vielleicht der Traum eines jeden Werbers sein, doch es ist auch ein sehr heikles Thema - und ich bin mir nicht sicher, ob es auch der Traum jedes Kunden ist", so Chvatal.

Unterstützung für heimische Entwickler

Wie das iPhone bietet das G1 über den Android Market die Möglichkeit, recht einfach neue und derzeit kostenlose Zusatzanwendungen zu installieren und so das Gerät an die eigenen Bedürfnisse anzupassen.

Momentan ist die Auswahl im Vergleich zum iPhone noch eher beschränkt, doch T-Mobile Austria will diese Möglichkeit der Personalisierung verstärkt nützen und dazu auch die heimische Entwicklercommunity unterstützen, kündigt Chvatal an.

Ausrichtung auf heimischen Markt

"Wir wollen besonders auf den österreichischen Markt zugeschnittene Applikationen fördern. Es gibt bereits einige österreichische Start-ups, mit denen wir eng zusammenarbeiten. Wir bieten der Community unsere Konferenzräume an, organisieren Treffen und wollen einfach alle kennenlernen, die für das G1 entwickeln. Wir werden auch die G1-Nutzer fragen, was sie wollen und vom G1 erwarten, und wollen der Vermittler zwischen Entwicklern und Nutzern sein."

Laut Entwicklern sei es durch die Offenheit des verwendeten Android-Betriebssystem deutlich einfacher, für das G1 Anwendungen zu programmieren als für das iPhone, so Chvatal. "Wir unterstützen das offene System von Android, und die Entwickler haben mir erklärt, dass man mit Android viel mehr machen kann als auf dem iPhone." Er habe sich auch gedacht, dass der App Store auf dem iPhone und der Android-Markt dasselbe seien, aber dem sei nicht so, so Chvatal.

Zielgruppe Kleinunternehmer

Die Frage nach Erfahrungswerten aus den Märkten, wo beide Geräte bereits angeboten werden, etwa welches stärker gefragt ist, ließ Chvatal unbeantwortet: Man sehe in den USA schon Unterschiede zwischen dem G1 und dem iPhone, aber die wolle er nicht kommunizieren.

Als Zielgruppe für das G1 nennt Chvatal kleinere Unternehmen, die seiner Meinung nach vor allem von den zahlreichen Möglichkeiten der mobilen Kommunikation, etwa mit der Push-Funktion von Gmail, profitieren würden. Grundsätzllich sei das G1 aber für alle gedacht, die auch unterwegs schnellen Zugriff auf das Internet haben wollen: "Niemand in Österreich kann mehr sagen, dass mobiles Internet zu teuer ist. Das Gerät kostet einen Euro (mit der Tarifoption Extreme und Fairplay Europa Plus, Anm.) und ist damit ebenso subventioniert wie das iPhone, wenn auch nicht so stark, und auch die Tarife sind günstiger."

"Es gibt kein ideales Handy"

Chvatal selbst nutzt übrigens ein Nokia N96 für die berufliche Kommunikation - aber auch einen BlackBerry. Der Vorteil des N96 sei die einhändige Bedienung beim SMS-Schreiben und die leichtere Synchronisation der Daten bei seinen häufigen Gerätewechseln, so Chvatal. Privat nutze er ein iPhone. "Es gibt kein ideales Handy -jeder Nutzer wird irgendetwas vermissen oder verändern wollen."

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(futurezone/Nadja Igler)