Keine österreichische Lösung für TA-Verkauf
Für einen Komplettverkauf der Telekom Austria [TA] wird es nach bisheriger Bankereinschätzung keine "österreichische" Lösung geben.
Heimische Bankenkreise schließen eine 100-Prozent-Übernahme durch ein österreichisches Finanzierungskonsortium aus. Selbst wenn sich mehrere Großbanken für einen Mega-Konsortialkredit zusammentäten, könnten sie die Kaufsumme von geschätzten fünf Mrd. Euro [68,80 Mrd. ATS] nicht aufbringen.
Internationale Investoren
Da die internationalen Telekomkonzerne in nächster Zeit noch ihre
bisherigen eigenen Akquisitionen zu verdauen hätten, wird zurzeit
damit gerechnet, dass internationale Finanzinvestoren bzw. Fonds für
eine Übernahme in Frage kommen, wenn ÖIAG und Telecom Italia [TI]
ihre TA-Pakete in Bausch und Bogen auf den Markt bringen.
Telekom AustriaAnteile "ein oder zwei Jahre" zwischenparken
Bei einem Verkauf über Buy-out-Spezialisten sei freilich ein Asset-Stripping nicht ausgeschlossen, dessen müssten sich die Verkäufer gewiss sein, meinen Banker.
Sollte die ÖIAG an die österreichische Kreditwirtschaft herantreten, wären österreichische Großbanken bereit, an Stelle der Staatsholding den zum Verkauf stehenden 30-Prozent-Anteil der Telecom Italia an der TA "für ein oder zwei Jahre zwischenzuparken", bekräftigte ein Spitzenbanker.
Das "Konsortium" könnte die Anteile zwischenfinanzieren und temporär halten und, wenn ein attraktives Gesamtpaket auf dem Markt sei [also auch der ÖIAG-Anteil, möglichst mitsamt wertsteigernder Mobilkom-Beteiligung], dieses ohne Zeitdruck weiterveräußern.
TA ist Übernahmekandidat
Auch in den Augen der Deutschen Bank ist die seit einem Jahr börsennotierte TA ein Übernahmekandidat. Die TA bleibe weiterhin ein Hauptkandidat für die weitere Konsolidierung auf dem Telekom-Markt und für "Mergers & Acquisitions"-Aktivitäten, schrieb die Deutsche Bank in ihrer jüngsten Analyse. Mit einer Marktkapitalisierung von 4,2 Mrd. Euro sei der österreichische Ex-Monopolist für Private-Equity-Investoren finanzierbar.
Konsortium unter Führung Haselsteiners
Eines dieser Private-Equity-Unternehmen, das an einen Einstieg bei der TA denkt, ist der US-Firmenkäufer Kohlberg, Kravis & Roberts [KKR]. Er gilt als Teil eines möglichen Bieterkonsortiums gemeinsam mit der Raiffeisen-Gruppe und dem britischen Fondsmanager Doughty Hanson & Co und unter Führung des österreichischen Bauindustriellen Hans Peter Haselsteiner.
Dieser könnte nach einem Bericht des "Standard" bereits in den nächsten beiden Wochen ein Angebot für die TA legen müssen. Nach einem Interview mit dem "Wirtschaftsblatt" am Wochenende, in dem Haselsteiner seine konkrete Absicht zur hundertprozentigen Übernahme der TA erklärt hatte, könnte ihn nun das österreichische Übernahmegesetz dazu verpflichten, binnen zwei Wochen tatsächlich ein Angebot zu stellen. Ansonsten drohe ihm eine einjährige Sperrfrist, heißt es in der Zeitung.
Die Übernahmekommission bestätigte einen derartigen Passus im Übernahmegesetz. Ob dieser aber auf die Aussagen Haselsteiners zutreffe, könne man nicht sagen, hieß es.
