18.11.2001

MATRIX FORUM

Bildquelle: parc

Die goldenen Jahre des PARC

In den 70er Jahren dachte der Kopiermaschinenhersteller XEROX über seine Zukunft nach und eröffnete in Palo Alto ein Research Center namens PARC.

Im PARC wurden in den 70er Jahren bahnbrechende Ideen wie Maus, Tablet Computer und Ethernet konzipiert. Die Realisierung erfolgte allerdings meistens durch andere Firmen.

Daneben gehen auch Ideen, die inzwischen zu Allgemeingut gehören, auf das PARC zurück, so das papierlosen Büro oder die grafische Benutzer-Oberfläche [GUI].

"Architecture for information" lautete am Anfang des PARC die Vorgabe an die Wissenschafter, für deren Umsetzung sie 10 Jahre lang Zeit und Geld bekamen. Erst in den 80er Jahren sollten die Ergebnisse auch Marktreife erlangt haben. Ein spezieller Kunde erhielt allerdings schon vor dieser Zeit Zugang zu den Forschungslaboratorien.

Geburt des Laptop

Smalltalk wurde von der Gruppe rund um Alan Kay entworfen. Seine Gruppe nannte er "learning research group". Er träumte davon, einen "Notebook Computer" zu kreieren.

Aber dazu musste erstmals ein Team zusammenstellen. Keine leichte Aufgabe für jemanden, der sich selbst als Einzelgänger bezeichnet, der nichts von Meetings hält und der Brainstorming ablehnt.

Wenn ihn jemand gefragt hat, an was er eigentlich arbeitete, soll er einfach nur auf sein Notebook-Modell gezeigt haben und gesagt haben: "Verbessere das."

Um in sein Team aufgenommen zu werden, musste man vor allem eines: "dieses gewisse Leuchten in den Augen haben", wenn Alan Kay von seiner Idee erzählte.

Adele Goldberg war eine von denjenigen, die dieses Leuchten hatte. Sie sei zur richtigen Zeit am richtigen Ort gewesen, meint sie heute. Damals war sie eher erstaunt, warum man gerade sie dabei haben wollte.

Adele Goldberg: Zu dieser Zeit gab es nicht all zu viele Frauen an den

Universitäten; es war die Zeit, als Colleges verpflichtet wurden diese einzustellen. Ich bekam also viele Jobangebote, aber musste nie zu einem Bewerbungsgespräch. Eigentlich störte mich das damals sehr. Ich fragte mich also, warum sollten die ausgerechnet mich nehmen, die kennen mich ja gar nicht.

Objektorientiert

Sie wurde Mitglied in einem Team, dessen Arbeit Kultstatus erlang hat und dem von der Community sehr viel Respekt entgegen gebracht wird.

Sie entwarfen zum Beispiel den ersten Ahn unter den Notebooks den "NoteTaker" arbeiten am idealen Computerinterface, das später Apple und Microsoft als Vorbild für die grafische Benutzer-Oberfläche [GUI] diente.

Und sie entwickelten Smalltalk, die erste objektorientierte Programmiersprache.

Xerox hatte kein Interesse an Smalltalk

Adele Goldberg ist es zu verdanken, dass Smalltalk auch wirklich als Produkt auf den Markt kam. Als in den 80er Jahren Xerox kein Interesse daran zeigte, auch noch anderen Kunden Smalltalk anzubieten, ergriff sie die Initiative.

Sie trieb Geld auf und gründete gemeinsam mit ein paar Kollegen ParcPlace Systems. Adele Goldberg glaubte von Anfang an an dieses Produkt. Nicht nur weil die Verlässlichkeit und die Usability von Smalltalk an Kindern getestet wurde und den Test bestand, sondern auch weil Goldberg, als sie die Entwickler am Defense Department besuchte, erkannte, dass Smalltalk seine User Ideen umsetzen lässt, an die sie selber gar nie gedacht hätten.

Adele Goldberg: "Es ist ja nur recht und billig, wenn man sagt: OK, das ist gut für A, B und C. Aber damit bestätigt das Produkt nur etwas, das eigentlich auf dem Markt selbstverständlich sein sollte: Das Produkt hält, was es verspricht. Aber wenn man auf einmal erkennt, dass man etwas geschaffen hat, das Kunden in die Lage versetzt auch ganz andere Dinge zu tun, sozusagen: auch noch D, E, und F, dass damit neue, aufregende Applikationen in kurzer Zeit verwirklicht werden können, dann ist das schon ganz was anderes und überraschend."