Megafusion bei US-Telekoms
Der US-Telekom-Riese AT&T übernimmt die drittgrößte US-Telefongesellschaft BellSouth für über 55 Milliarden Euro.
AT&T bestätigte am Sonntagabend das bereits von US-Medien kolportierte Vorhaben, BellSouth im Zuge eines Aktientauschs für 67 Milliarden Dollar übernehmen zu wollen.
Die Übernahme solle innerhalb von zwölf Monaten abgeschlossen sein, teilte AT&T mit. Durch den Zusammenschluss würden Synergien in Milliardenhöhe erwartet.
AT&T wird mit der Übernahme von BellSouth der mit Abstand größte US-Telekommunikationskonzern mit 70 Millionen Telefon-, knapp zehn Millionen Breitband- und 54,1 Millionen Mobilfunkkunden und einem Jahresumsatz von über 110 Milliarden Dollar.
Cingular Wireless wird wieder vereint
Mit der Übernahme wird auch der bisher von beiden Firmen kontrollierte Mobilfunker Cingular Wireless wieder unter einem Dach und der Marke AT&T zusammengeführt.
Die BellSouth-Aktionäre sollen 1,325 AT&T-Aktien je eigenen Anteil erhalten. Das läuft auf 37,09 Dollar je BellSouth-Aktie hinaus.
AT&T war erst im November von SBC Communications für 16 Mrd. Dollar übernommen worden. Damals wurde der bekanntere Name AT&T für die fusionierten Firmen angenommen.
Druck auf Konkurrent Verizon
Hauptkonkurrent Verizon, bisher und auch weiter auf Platz zwei auf dem US-Markt, hatte seinerseits nach einer langen Schlacht gegen Qwest den Telekom-Konzern MCI übernommen. Eine Fusion von AT&T mit BellSouth würde laut "New York Times" Druck auf Verizon ausüben, seinerseits Qwest, als letzte noch verfügbare große Bell-Gesellschaft, zu kaufen.
Kommt das AT&T-Monopol wieder?
Der Zusammenschluss der beiden Bell-Gesellschaften wäre "ein riesiger Schritt" bei der Wiederherstellung des Monopols, das in der US-Telefonbranche vor der Zerschlagung der alten AT&T im Jahr 1984 existiert hatte, meint das "Wall Street Journal".
Die ursprüngliche AT&T, die auch als "Ma Bell" [Mutter Bell] bekannt war, hatte jahrzehntelang ein Telefonmonopol in den USA. 1984 wurden von AT&T sieben "Baby-Bells" als regionale Anbieter abgespalten, während AT&T vor allem das überregionale Geschäft betreute.
Die Übernahme muss von den Aufsichtsbehörden und den Aktionären genehmigt werden, es werden aber keine allzu großen Schwierigkeiten erwartet.
Krönender Abschluss?
AT&T wird vom langjährigen SBC-Chef Edward E. Whitacre jr. geführt, der den Konzern durch Serienkäufe kleiner und großer Konkurrenten neben Verizon zum US-Branchenführer in der Telekommunikationsbranche gemacht hatte. Für Whiteacre, der sich dem Ruhestand nähert, wäre der BellSouth-Kauf ein krönender Abschluss.
(futurezone | dpa | NYT | WSJ | Reuters | AP)
