Softwarefehler kosten Milliarden

Österreich
02.02.2006

Da heutzutage die meisten Dinge mittels Software betrieben werden, wird es immer schwieriger, den auftretenden Fehlern zu entkommen. Experten sind der Meinung, Software könnte wesentlich zuverlässiger sein, würden die Hersteller nur mehr Zeit investieren.

Dass Software in Computern steckt, ist den meisten hinlänglich bewusst. Dass sie aber auch die Straßenbeleuchtung, Autos, Brücken, Waschmaschinen und weitere Teile unseres Lebens kontrolliert und mitunter auch behindert, wird erst bemerkt, wenn sie ausfällt.

Die Kosten durch Ausfälle von Software steigen von Jahr zu Jahr. Allein in Europa fallen durch Softwarebugs jährlich 100 bis 150 Mrd. Euro an Kosten an, schätzt der Software-Experte Les Hatton von der Universität Kingston in London.

Für Österreich bedeute das rund drei bis vier Mrd. Euro.

Bessere Ausbildung für Entwickler

Die Lösung liegt für Hatton in höherem Know-how der Entwickler. "Weltweit mangelt es schlichtweg an technischer Professionalität. Wir brauchen besser ausgebildete Techniker", so der Appell an Schulen und Universitäten.

Mangelnde Tests

Hattons wichtigster Rat an die Unternehmen lautet: "Findet Fehler früh!" Die Kosten eines Softwaredefekts steigen extrem, wenn er später entdeckt wird.

In der Planungsphase kann ein Fehler noch leicht und billig behoben werden, im fertigen Produkt betragen die Kosten mindestens das Dreißigfache.

Deshalb wäre es gut angelegtes Geld, würden die Hersteller die Hälfte ihrer Software-Entwicklungsausgaben in ausführliche Tests des Codes investieren.

Zeitdruck führt zu Schlampereien

"Zeitdruck und kurzfristiges Quartalsdenken verführen jedoch oft dazu, schnell und schlampig zu arbeiten und zu wenig zu testen, was langfristig dann sehr teuer kommt", kritisiert Hatton.

Millionenteure Panne an der Börse Tokio

So verwechselte etwa ein Mitarbeiter des Finanzunternehmens Mizuho Securities im Dezember 2005 zwei Eingabefelder der Software der Börse von Tokio.

Statt einer Aktie für 610.000 Yen [4.300 Euro] bot er 610.000 Aktien für jeweils einen Yen an. Die Software akzeptierte die - völlig unlogische - Eingabe ungeprüft und sperrte noch dazu zehn Minuten lang jede Korrektur.

Diese Zeit reichte aus, dass der Kurs der Aktie ins Bodenlose fiel und ein Schaden von 40 Milliarden Yen [280 Millionen Euro] entstand. Hätte die Software die Annahme der unlogischen Order verweigert, wären solche Vorkommnisse nicht möglich.

Telefonnetz und Straßenbeleuchtung

Aber auch in Österreich sorgen Softwarefehler immer wieder für Aufsehen und enorme Kosten. So sorgte etwa ein Software-Error im Wiener Arsenal im Herbst 2004 für den stundenlangen Teilausfall von Festnetz- und Handy-Verbindungen in Wien und Niederösterreich.

Aktuellstes Beispiel ist der Ausfall der Straßenbeleuchtung in Teilen Wiens am 12. Jänner. Auf Grund eines Softwarefehlers bei Wienstrom fiel für kurze Zeit die Straßenbeleuchtung in mehreren Bezirken Wiens aus.

(futurezone | APA)