IT-Branche muss sich emanzipieren
Im Rahmen des Informatikjahrs 2006 soll die deutsche Industrie für Informations- und Kommunikationstechnologien mehr Selbstbewusstsein aufbauen. In der Vergangenheit habe man sich zu oft von den USA die Schau stehlen lassen.
2006 steht nicht nur im Zeichen von Mozart, in Deutschland ist es auch das Jahr der Informatik. Die Branche gehörte 2005 immerhin zu den Gewinnern der deutschen Wirtschaft.
Die Industrie für Informations- und Kommunikationstechnologien [IKT] habe mit einem Anteil von rund 4,3 Prozent der inländischen Wertschöpfung erstmals den Maschinen- sowie den Automobilbau überholt, betont Matthias Jarke, Präsident der Gesellschaft für Informatik [GI].
"Es hat dort im Gegensatz zu vielen anderen Branchen Wachstum gegeben", erläuterte der Mitinitiator des "Jahrs der Informatik 2006". Und das, obwohl die Branche seiner Meinung nach in der Vergangenheit schwere strategische Fehler zu Gunsten der USA begangen habe.
Das Informatikjahr ist das mittlerweile siebente in der Reihe der Wissenschaftsjahre, die das Bundesministerium für Bildung und Forschung in Deutschland initiiert hat.
Emanzipation notwendig
Viele Grundprodukte der Informatik wie Datenbank-Technologien seien in Deutschland erfunden worden. "Da ist eine Milliardenindustrie aus der theoretischen Informatik entstanden", aber zum Großteil eben nicht in Deutschland.
Als Ursache sieht Jarke, dass aus Spargründen in viele junge, an sich viel versprechende Innovationen nicht weiter investiert worden sei. "Auf diese Weise haben wir den Amerikanern einfach das Feld überlassen."
Alleine Software entwickelnde Unternehmen hätten mit rund 16 Milliarden Euro knapp fünf Prozent mehr Umsatz erwirtschaftet als 2004. Der Mittelstand habe in dem Sektor erfolgreich neue Arbeitsplätze geschaffen.
Zur IKT-Branche zählen auch die Telekommunikations- und Mobilfunkanbieter.
IT in Haushalt und Autos
Wachsende Märkte sieht Jarke auch bei eingebetteten Systemen, also Informationsverarbeitung, die etwa in Haushalts- sowie Automobiltechnik integriert wird.
Deutsche Unternehmen wie BMW und Audi seien bereits heute weltweit führend bei der Entwicklung von Softwaresystemen für Autos.
Eine besondere Herausforderung sei es, die neuen Möglichkeiten auch für Nicht-Informatiker beherrschbar zu gestalten. "Man wird als Informatiker immer mehr zu einem interdisziplinären Vermittler zwischen der Technik und den Anwendern."
(Futurezone/dpa)
