Ein Robot-Kanzler wird abgesägt
Er sieht zwar aus wie jeder andere Politiker, es ist aber noch ein Robot, der die virtuelle Republik Österreich regiert. Erste echte Spieler des erfolgreichen Browser-Rollenspiels "Power of Politics" [PoP] sägen bereits am Sessel des Robot-Kanzlers.
Lange wird sich Pöck nicht als Regierungschef halten können, denn Robots dienen nur als Platzhalter für echte Spieler, die sich erst mühsam in die oberste Politikebene hinaufdienen müssen.
Erwartet wird, dass der erste Rollenspieler die Robots in mehreren Wochen an der Regierungsspitze ablösen wird. Es sind bereits mehrere, aussichtsreiche Kandidaten, die den langen Marsch durch die Parteibürokratien angetreten haben.
Bei dem erst um die Jahreswende lancierten, aber bereits ungemein populären, östereichischen Politikspiels geht es um Macht und strategisches Geschick. Die Technik von "Power of Politics" [PoP] verbindet bekannte Tools wie interne MailSysteme oder Terminkalender mit neuen Elementen wie zum Beispiel künstliche Intelligenz.
Zufallsprinzip reale Nachrichten
Die nötige "Randomness", also den Einfluss äußerer Elemente auf den Spielautomatismus holt sich Programmentwickler Tim Preuster mit einem selbst lernenden Algorithmus.
Dieser sucht aus insgesamt 120 deutschsprachigen Online-Medien täglich reale Nachrichten und kategorisiert sie in verschiedene Themenbereiche. Daraus ergibt sich eine Rangfolge, die als Grundlage für den „Wählerwillen“ dient.
Politik via Microsofts .NET
Neu ist auch das multimediale Interface, das durchgehend über Flash realisiert ist und das Spiel optisch attraktiver erscheinen lässt. Die dahinter liegende auf .NET basierende Engine bleibt für den User verborgen.
Alle politischen Bezirke Österreichs sind detailgetreu abgebildet und können per Mausklick angewählt und „betreten“ werden. Sogar die potentiellen Wähler entsprechen der Wirklichkeit und damit den tatsächlichen Einwohnerzahlen laut Statistischem Zentralamt.
Bei den sonntäglichen Wahlen bekommen die virtuellen Politiker die Rechnung für ihre vergangene Arbeit präsentiert. Entscheidend sind dabei verschiedene Einflussfaktoren wie Terminplanung, Wahlkampf oder Networking. Alle Daten zur Wahl werden automatisch generiert und in einem „Live-Fernseher“ animiert dargestellt. Dort wird sich zeigen, wie lange Robert Pöck noch die Geschicke des Landes lenken darf.
(Reinhard Kreiner)
