Autostrade will gegen Kapsch kämpfen
Nach dem Zuschlag an Kapsch zur Errichtung des tschechischen Mautsystem ruft Autostrade die Kartellbehörden an. Die Italiener lagen preislich unter dem Angebot von Kapsch, hatten aber angeblich ungenügend Infos zur Umweltbelastung vorgelegt.
Die italienische Autobahngesellschaft Autostrade, kürzlich noch Eigentümer des österreichischen Lkw-Mautbetreibers Europpass, sagt dem österreichischen Mauttechnologie-Lieferanten Kapsch TrafficCom den Kampf an.
Die italienische Gruppe hat bei der tschechischen Kartellbehörde UOHS Einspruch gegen den Beschluss des Verkehrsministeriums eingereicht, Autostrade aus dem Wettkampf um die Errichtung eines elektronischen Lkw-Mautsystems in Tschechien auszuschließen.
Ende November konnte Kapsch den Auftrag in der Höhe von 640 Mio. Euro an Land ziehen.
Das Pikante daran: Kapsch war auch der Technologielieferant für das heimische Mautsystem, ebenfalls auf Mikrowellenbasis basierend. Beauftragt wurde Kapsch von Europpass, damals noch Tochter der Autostrade.
Keine Infos zur Umweltbelastung
Aus dem Verkehrsministerium in Prag hieß es, die Italiener seien aus dem Wettbewerb ausgeschlossen worden, weil sie ungenügende Informationen über die Umweltbelastung ihres Mautsystems vorgelegt haben.
Ursprünglich 102 Interessierte
Von ursprünglich 102 Interessenten am tschechischen Mautsystem hatten zuletzt nur vier ein verbindliches Angebot abgegeben. Der Schweizer Mautbetreiber Fela verlangte laut einer vom Prager Verkehrsministerium veröffentlichten Liste zunächst 12,6 Mrd. Kronen (429 Mio. Euro), die Autostrade 500 Mio. Euro, Kapsch 640 Mio. und die Strabag [bzw. deren Betriebsgesellschaft A-Way] 953 Mio. Euro.
Seit Mitte Dezember läuft bei der UOHS in dieser Angelegenheit schon ein Überprüfungsverfahren, das ein anderer nicht erfolgreicher Mitbewerber, das Konsortium Mytia um die schweizerischen Firmen Ascom und Fela, und drei weitere unbekannte Beschwerdeführer initiiert hatten.
Kartellbehörde unterbricht Vertragsunterzeichnung
Auf Grund dieser Beschwerde ordnete UOHS eine "vorläufige Maßnahme" an, wonach der Auftraggeber - das Prager Verkehrsministerium - mit Kapsch zunächst keinen Vertrag über die Errichtung des Maut-Systems unterzeichnen darf, bevor die Beschwerden überprüft worden sind.
Harter Schlag für Italiener
Für die Italiener ist der Ausschluss aus dem Wettkampf in Tschechien ein harter Schlag. Die Expansion in Osteuropa zählt nämlich zur Priorität der europaweit stärksten Autobahngesellschaft.
In Tschechien soll die Maut auf Autobahnen und Schnellstraßen 2007 kommen und für Lkw über 12 Tonnen gelten - wie dies auch in Deutschland der Fall ist. In Österreich hingegen müssen bereits Lastwagen ab 3,5 Tonnen zahlen.
(Futurezone/dpa)
