Neue Diskussion über Handystrahlung
Die Empfehlung des Gesundheitsministeriums, Handys möglichst wenig zu verwenden, hat die Diskussion über deren Gefährlichkeit neu entflammt.
Als "realitätsfern" bezeichnete das Forum Mobilkommunikation [FMK] Infos zum Umgang mit Handys auf einem neuen Folder des Gesundheitsministeriums, der am Mittwoch präsentiert wurde. Dabei wird etwa empfohlen, statt mit dem Handy zu telefonieren lieber das Festnetz zu nutzen oder SMS zu verschicken.
Die Beschränkung der Mobiltelefonie bedeute für viele Menschen einen Einschnitt in ihrer Lebensqualität und persönlichen Sicherheit, so das FMK.
Die Warnungen des Gesundheitsministeriums sind laut FMK zudem unbegründet. Mobilkommunikation sei ein selbst-regulierendes Zwei-Wege System, je näher Mobilfunkanlage und Handy zueinander sind, desto besser sei der Empfang und umso niedriger die benötigte Sendeleistung. Bisher gebe es zudem keinen Nachweis für eine Gesundheitsgefährdung.
In einem Infoblatt des Gesundheitsministeriums, das ab sofort bei Ärzten, in Geschäften und Schulen aufliegen soll, wird empfohlen:
- Festnetz dem Handy vorziehen
- Kurz fassen
- Nicht bei schlechtem Empfang telefonieren
- Möglichst wenig im Auto telefonieren
- Beim Verbindungsaufbau warten, erst danach Handy an Kopf führen
- Headsets benutzen
- Beim Schlafen das eingeschaltene Handy weder am Kopfpolster noch
am Nachttisch liegen lassen.
- SMS schicken, anstatt zu telefonieren.
Keine wissenschaftlichen Beweise
Bei der Präsentation wiesen auch Experten darauf hin, dass es noch keinen gesicherten wissenschaftlichen Nachweis für gesundheitliche Schäden durch Handystrahlen gibt.
So fehlen etwa Langzeitstudien, Untersuchungen mit Kindern gebe es überhaupt nicht, meinte Michael Kundi, Umwelt- und Hygieneexperte der Universität Wien. Die aktuellen Empfehlungen des OSR würden kaum von denen abweichen, die schon 2002 gegeben wurden.
Die Experten riefen aber dennoch zu einem "vernünftigem Umgang" mit der Technologie auf. Der Oberste Sanitätsrat [OSR] rät etwa zu Silvester vorzugsweise SMS zu verschicken, anstatt zu telefonieren, dabei sei das "Handy weiter weg vom Kopf".
Auch laut WHO gibt es keinen Hinweis auf eine Gefährdung, solange die Strahlung innerhalb der vorgeschriebenen Grenzwerte bleibt.
Kopfweh durch Handytelefonie?
Innerhalb der aktuellen Grenzwerte bestehe keine Gefahr, so Gesundheitsministerin Rauch-Kallat [ÖVP]. "Das einzig Neue: Vielleicht - wenn man lange telefoniert, das Endgerät heiß wird und an die Schläfe gehalten wird, wo bei Kinder die Schädeldecke noch dünn ist - kann es möglicherweise vermehrt zu Tumoren kommen", so Ernst Wolner, Präsident des OSR.
Es gebe Hinweise auf Auswirkungen beim Menschen, aber keine Beweise, so Kundi weiter. So gebe es etwa Hinweise, dass ein Zusammenhang bei der Nutzung von Handys und Symptomen wie Kopfweh und Schlafstörungen bestehe. In zwei Jahren solle man die Situation wieder evaluieren und Gutachten einholen, forderte Wolner.
Kein Tumor-Anstieg erwartet
Bei Tumoren dauere es bis zur Manifestation der Krankheit zwischen zehn und 30 Jahre. "Ich erwarte mir in der nächsten Zeit keinen massiven Anstieg bei Hirntumoren - das wäre ein 'Wunder'", so Kundi.
SPÖ sieht Verharmlosung
Für den SPÖ-Konsumentenschutzsprecher Johann Maier sind "die locker formulierten Tipps [...] eine Verharmlosung dieses Problems" unter Verweis auf eine Studie der Ärztekammer. In zwölf Leitlinien mache die Interessensvertretung der Mediziner klar, dass sehr wohl unabwägbare Gesundheitsgefährdungen bestünden.
So habe die Ärztevertretung empfohlen, dass Kinder unter 16 Jahren Handys nicht benutzen sollen und "dass Handys in der Hosentasche oder SMS unter der Schulbank versenden die Fruchtbarkeit beeinträchtigen könnte". Rauch-Kallat weise nicht auf diese Gefahren hin.
(Futurezone / APA)
