Billiger zu Handys telefonieren

Österreich
21.12.2005

Gespräche vom Festnetz in Mobilfunknetze, die seit Jahren in Österreich mehr kosten als Gespräche von Handynetzen ins Festnetz, werden bis 2008 schrittweise billiger werden. Dies hat der Regulator auf Druck der EU nun festgelegt.

Der Telekom-Regulator entschied am Mittwoch über die schrittweise Vereinheitlichung und Absenkung der unterschiedlichen Mobilfunk-Terminierungsentgelte, die einen wesentlichen Bestandteil für die Endkunden-Handytarife bilden.

Diese Handy-Zusammenschaltungstarife, die sich Telekombetreiber gegenseitig für die Zustellung von Gesprächen in die jeweiligen Mobilfunknetze verrechnen, sollen bis 2008 auf ein einheitliches Niveau abgesenkt werden.

Ursprünglich wolle die Telekom Control Kommission [TKK] die Tarife erst bis Ende 2011 angleichen, die EU drängte dann aber auf Grund der bestehenden Wettbewerbsverzerrung auf eine schnellere Angleichung.

Ziel: Weniger als zehn Cent pro Minute

Die Absenkung wird nun zu einer Vergünstigung der Gespräche vom Festnetz und vom Ausland in Mobilfunknetze führen, erklärte der Telekom-Regulator Georg Serentschy.

Für die Mobilfunker bedeute die Entscheidung einerseits weniger Einnahmen, andererseits weniger Aufwendungen.

Der erste Absenkungsschritt wird mit 1. Jänner 2006 erfolgen, so Serentschy. Die letzte Absenkung - auf ein einheitliches Niveau von weniger als zehn Cent pro Minute - wird am 31. Dezember 2008 erfolgen.

Aktuelle Terminierungsentgelte

Derzeit bekommt die mobilkom von ihren Mitbewerbern für die Gesprächszustellung 10,86 Cent pro Minute, T-Mobile 13,18 Cent, One und tele.ring je 13,80 Cent und Hutchison als jüngster Marktteilnehmer sogar 19,62 Cent.

Im EU-Vergleich sind die österreichischen Terminierungsentgelte laut RTR relativ günstig.

"Unnötiger Kniefall vor der EU"

Beim Marktführer mobilkom austria stößt die Regulator-Entscheidung auf heftige Kritik.

"Die Entscheidung ist an Absurdität nicht zu überbieten und ein unnötiger Kniefall und Anbiederung des österreichischen Regulators an die EU-Kommission", so mobilkom-Chef Boris Nemsic im.

Die Nutznießer der Entscheidung seien ausländische Unternehmen wie tele.ring und Hutchison, während der österreichischen Industrie durch den Entfall von Einnahmen geschadet werde.

Mobilkom will Rechtsmittel ausschöpfen

Die mobilkom verliere durch die neuen Tarife allein im nächsten Jahr 42 Mio. Euro.

Man werde gegen die Entscheidung alle Rechtsmittel bis zu einer Beschwerde vor dem Verwaltungsgerichtshof [VwGH] ausschöpfen, kündigte Nemsic an.

(Futurezone / APA)