UPC-Mutter unter Monopolverdacht
Der milliardenschwere Verkauf der Kabelnetze der Deutschen Telekom stößt auf immer neue Probleme.
Vor der seit Wochen verschobenen Vertragsunterzeichnung verlangt der US-Käufer Liberty Media von der deutschen Regierung die Zusicherung, dass die Übernahme nicht an einem Verbot durch das Kartellamt scheitern wird, berichtet das "Handelsblatt" unter Berufung auf Unternehmenskreise.
Liberty-Gründer John Malone will so ein mögliches Veto der Bonner Wettbewerbshüter per Ministerweisung aushebeln lassen. Das Bundespresseamt bestätigte, dass Malone um einen Termin bei Bundeskanzler Gerhard Schröder [SPD] bat.
Liberty kontrolliert unter anderem bereits den größten europäischen TV-Kabelnetzbetreiber United Pan-Europe Communications NV [UPC] über eine Beteiligung an dessen US-Muttergesellschaft UnitedGlobalCom.
Liberty MediaMonopolwarnung
Unterdessen warnte die deutsche Kommission zur Ermittlung der Konzentration im Medienbereich [KEK] vor einer drohenden Monopolbildung im Kabelbereich und forderte gesetzliche Regelungen.
Der kolportierte Liberty-Vorstoß in Richtung eines Blankoschecks der Kartellbehörden, sollte diese Warnung noch untermauern.
Die Telekom hatte sich Ende Juni mit Liberty Media auf den Verkauf von sechs Regionalgesellschaften in Deutschland im Wert von geschätzten 5,4 Milliarden Euro geeinigt. Noch heute Mittag hieß es, der
Kabelnetz-Verkauf an Liberty stehe kurz vor dem Abschluss.Player
Durch die Übernahme würde Liberty mit rund zehn Millionen Kunden auf einen Schlag größter Kabelnetzbetreiber in Deutschland.
Kartellrechtlich problematisch ist neben der geballten Marktmacht, dass Liberty dann nicht nur die Netze bereit stellt, sondern auch selbst als Anbieter von Inhalten auftreten kann.
Das Unternehmen ist unter anderem an AOL Time Warner und an News Corp. von Rupert Murdoch beteiligt.
