EU-Polizei gegen Datenschutz
Vint Cerf, der üblicherweise als einer der Väter des Internets bezeichnet wird, hat die EU mit Nachdruck davor gewarnt, die Direktive zum Datenschutz auszuhebeln.
Die EU-Pläne zur Bekämpfung von so genanntem Cybercrime in neu aufgetauchten ENFOPOL-Dokumenten - die FutureZone berichtete - stünden in direktem Widerspruch zur EU-Datenschutzrichtlinie, sagte Cerf am Donnerstag.
Vor allem die geforderte jahrelange Speicherung von so genannten Verbindungsdaten [wer mit wem wo kommuniziert hat] stelle eine unzumutbare Belastung für die Provider dar.
EU-Datenschutz wird ausgehebeltSichere Kommunikation statt Überwachung
Auch nur einen geringen Prozentsatz der Terabytes, die täglich anfallen, auf so lange Zeit zu speichern sei in der Praxis nicht nur äußerst schwierig, sondern stelle wegen der Gefahr des Missbrauchs dieser Daten eine Bedrohung für das Netz selbst dar.
Um dessen weitere Entwicklung nicht einzuschränken, habe die Absicherung der Kommunikation in den Netzwerken "unmittelbare Priorität".
Beim Cybercrime-Abkommen des Europarats, dessen Endfassung seit vergangenem Freitag im Netz zugänglich ist, wurde kein einziger Kritikpunkt der Datenschützer vollständig berücksichtigt.
Abkommen gegen CybercrimeViele Möglichkeiten der Überwachung
Es gebe bereits jetzt viele Möglichkeiten, zu überwachen, was im Netz passiert, sagte Cerf und sprach sich gegen eine weitere Ausdehnung der Befugnisse für Strafverfolger in den Netzen aus.
Die Logfiles oder Verbindungsdaten sollten auch in Zukunft ausschließlich bis zur Abrechnung gespeichert werden dürfen - so, wie es die in Kraft befindliche EU-Datenschutzdirektive vorsieht.
