Keine Euphorie über Office XP
Die neuen Windows- und Office-Pakete von Microsoft finden bei Analysten und Testern nicht den bisher gewohnten Beifall.
Zu matt fielen die Neuerungen aus, zu flach die Innovationskurve, so der Tenor.
Das "Wall Street Journal" [WSJ] hat Office XP, das hier zu Lande am 31 Mai offiziell auf den Markt kommt, nun genauer unter die Lupe genommen. Die frische Version der am weitesten verbreiteten Office-Software hat jedoch bei Autor Walter Mossberg keine Euphorie ausgelöst.
Termin für Office XP, aber nicht für Windows XPKeine Upgrades ohne Notwendigkeit
"Office XP hat zwar einige nette Usability-Verbesserungen aufzuweisen", befindet Mossberg. Aber: "Office XP ist kein Must. Erstens sollte man kein Geld für Upgrades aus dem Fenster werfen, wenn man ohnehin an der derzeitigen Version nichts auszusetzen hat. Zweitens verfügt Office XP über mehrere Funktionen, die später als Trittbrett für bezahlte Internet-Services dienen werden."
Zwar lobt das "Wall Street Journal" das Konzept der "Smart Tags", die als kleine Icons über bestimmten Reizwörtern bei Bedarf die Wahl aus mehreren Optionen ermöglichen. Gleichzeitig merkt das WSJ aber an, dass hier oft zu viel des Guten getan wird.
So steht beispielsweise beim Eingeben eines Datums gleich ein ganzer Kalender automatisch zur Verfügung. Beim Eintippen eines Namens wird gleich angeboten, an die betreffende Person eine E-Mail zu schicken.
Fehlermeldungen werden höflicher
Freilich ist nicht nur Negatives zu berichten. "Wenn eines der Office-XP-Programme crasht, sind die Fehlermeldungen jetzt viel höflicher als früher", lobt Mossberg. Außerdem würden Dokumente nach einem Absturz besser wieder hergestellt.
Die Spracheingabe, die Microsoft mit Office XP anbietet, sei "nicht sehr zuverlässig". Auch nach zwei Sprachtrainingsrunden wird aus "Bill Gates" "gilt gates" und aus "Microsoft" "I cross off". "Entweder ist die Spracherkennung fehlerhaft, oder das Programm weiß mit Sarkasmus umzugehen", schließt Mossberg.
"Die dunkle Seite von Office XP"
Was dem "Wall Street Journal" sauer aufstößt, sind die "Hailstorm"-Ansätze - "die dunkle Seite von Office XP" [O-Ton]. Microsoft will nämlich künftig eine Reihe von webbasierten Services verkaufen, und das neue Office soll diesem Geschäftsmodell auf die Sprünge helfen. So werden die "Smart Tags" künftig nicht nur die Wahl zwischen Fett- und Kursivdruck, sondern auch zwischen Geldbörse und Kreditkarte lassen.
MSN Instant Messenger klammert sich an Outlook
Wenn derzeit etwa ein Aktiensymbol eingetippt wird, können darüber Informationen via Microsofts MoneyCentral.com-Site abgefragt werden. "Obwohl das Service derzeit gratis ist, handelt es sich genau um die Art von Infos, die später als Hailstorm-Dienstleistung verkauft werden", so das "Wall Street Journal".
Auch Outlook wird nicht von Kritik verschont. Das E-Mail-Programm ist nun mit dem MSN Instant Messenger verknüpft, der bei jedem Start von Outlook automatisch aufgeht - egal ob man ihn verwendet oder nicht, so das WSJ. Outlook wird außerdem enger mit Microsofts Hotmail verknüpft.
"Office XP hat zwar einige wirklich gute Features", schließt Mossberg. "Andererseits möchte man Microsoft nicht dabei helfen, einem später einmal Sachen anzudrehen."
Microsoft Office XP
