27.04.2001

FUSIONITIS

Bildquelle: fuzo

Alcatel und Lucent diskutieren Fusion

Die Telekom-Ausrüster Alcatel und Lucent Technologies haben nach einem Zeitungsbericht Gespräche über eine Fusion geführt, deren Verwirklichung Finanzexperten aber als unwahrscheinlich und auch unsinnig einstuften.

Das "Wall Street Journal Europe" berichtete am Freitag unter Berufung auf mit der Situation vertraute Personen, die beiden Firmen hätten wiederholt über ein Zusammengehen verhandelt. Der französische Alcatel-Konzern lehnte auf Anfrage eine Stellungnahme zu dem Bericht ab.

Lucent gab dem Bericht zufolge ebenfalls keinen Kommentar ab. Analysten bezeichneten einen Zusammenschluss beider Konzerne als unwahrscheinlich. Für Alcatel ergebe so etwas auch gar keinen Sinn.

Schwache Marktentwicklung

Das "Wall Street Journal" berichtete nun, Lucent und Alcatel hätten mehrfach über einen richtigen Zusammenschluss gesprochen. Dabei sei es aber noch nicht um finanzielle Einzelheiten gegangen, und die Wahrscheinlichkeit einer solchen Fusion sei klein.

Alcatel und Lucent werden an den Börsen derzeit in etwa gleich hoch mit rund 40 Milliarden Euro bewertet.

Generell ist eine Fusion großer Konzerne in der Telekom-Ausrüsterbranche derzeit eher möglich als noch vor einem Jahr, da die Unternehmen unter der schwachen Marktentwicklung leiden.

Kaum Argumente für Fusion

Analysten äußerten sich skeptisch, dass eine Fusion von Lucent und Alcatel tatsächlich zu Stande kommen könnte. "Wenn ich wetten müsste, würde ich nichts darauf setzen, dass Alcatel Lucent ganz kaufen könnte", sagte ein Analyst in London.

Alcatel würde dadurch zwar große Marktanteile in den USA gewinnen, aber auch viel Überflüssiges erhalten. "Das wäre eine Schande, da Alcatel bei seiner eigenen Umstrukturierung einen großartigen Job gemacht hat", sagte der Analyst.

Problem der Überkapazitäten

Die Finanzmärkte hoffen derzeit darauf, dass in der Branche der Telekom-Ausrüster das Problem der Überkapazitäten gelöst

wird, die durch die Schwäche des Telekom-Marktes ausgelöst wurden. Viele machten sich Sorgen über Lucent, sagte ein Händler

An der Pariser Börse gab der Kurs der Alcatel-Aktie bis zum Mittag um 1,5 Prozent auf 33,14 Euro nach. Die Aktie ist damit derzeit rund ein Drittel dessen wert, was sie bei ihrem Höchststand im Herbst 2000 gekostet hatte.

Die Investmentbank Lehman Bros senkte ihre Gewinnschätzungen für das Unternehmen, während Dresdner Kleinwort Wasserstein die Alcatel-Aktie vor dem Hintergrund der Marktschwäche auf "halten" von "kaufen" herunterstufte.