12.04.2001

HARDCORE

Bildquelle: waldt

Yahoo vor radikaler Neuausrichtung

Yahoo hat mit seinen Quartalszahlen die Märkte nicht enttäuscht, plant aber nach einem verbuchten Nettoverlust und einem Rückgang des operativen Ergebnisses zum ersten Mal in seiner Unternehmensgeschichte Entlassungen.

Yahoo teilte am Mittwoch nach US-Börsenschluss zudem mit, das Unternehmen werde Änderungen an der Strategie vornehmen und sich aus einigen Geschäften zurückziehen, um angesichts rückläufiger Internet-Werbung Kosten zu sparen.

Zudem verlasse Heather Killen, die Vizepräsidentin der internationalen Organisation, das Unternehmen. Yahoo hatte in den vergangenen Monaten bereits mehrere Führungskräfte verloren.

Analystenerwartungen übertroffen

Dieses Ergebnis lag am oberen Ende der Analystenerwartungen, die zwischen minus einem und plus einem Cent je Aktie prognostiziert hatten. Auch der Umsatz fiel mit 180,2 [Vorjahr 230,8] Millionen Dollar etwas höher als von Branchenexperten erwartet aus.

Die Analysten hatten hier mit 172,4 Millionen Dollar gerechnet. Anfang März hatte Yahoo für das erste Quartal eine Gewinn- und Umsatzwarnung ausgegeben. Chief Executive Officer Tim Koogle hatte dabei seinen Rücktritt angekündigt.

Zwölf Prozent der Belegschaft müssen gehen

Yahoo will den weiteren Angaben zufolge im zweiten Quartal zur Deckung der Umstrukturierungskosten mehrere Millionen Dollar zurücklegen. Es werde mit Aufwendungen von 40 bis 60 Millionen Dollar gerechnet. Von seinen insgesamt 3.510 Arbeitsplätzen plant das Unternehmen nach eigenen Angaben insgesamt zwölf Prozent abzubauen. Das entspricht etwa 420 Stellen. Einige sekundäre Dienste sollen nach Unternehmensangaben künftig nicht mehr weitergeführt werden, hieß es. Yahoo-Finanzchefin Sue Decker sagte gegenüber Analysten dazu, es werde jeder Stein umgedreht, um zu sehen, wo Kosten gespart werden könnten.

Yahoo muss Kundenbasis neu definieren

Der Rückgang der Umsätze und des Nettoergebnisses kommt nach Expertenansicht zu einer Zeit, in der Yahoo mit mehreren Herausforderungen zurechtkommen muss.

Der Online-Konzern müsse beispielsweise mehrere Topmanagement-Positionen neu besetzen. Zudem plant Yahoo neue gebührenpflichtige Dienste einzuführen, um die Abhängigkeit von Online- Werbeeinnahmen zu mildern.

Auch müsse die Firma noch mehr große Werbekunden unter den Unternehmen für sich gewinnen. "Was wir sehen, ist ein Unternehmen, das nach neuer Führung an mehreren Fronten sucht, und ein Unternehmen, das seine Kundenbasis neu zu definieren versucht", sagte Derek Brown, Analyst bei W.R. Hambrecht.

Börse reagiert positiv

Der Kurs der Yahoo-Aktie stieg im Anschluss an die Zahlen nachbörslich um 2,5 Prozent auf 16,25 Dollar. Im regulären Börsenhandel der Technologiebörse Nasdaq schloss die Aktie bei 15,85 Dollar.