Ermittlungen gegen TI-Topmanager
Die Ermittlungen der Turiner Staatsanwaltschaft im Fall der mutmaßlichen Schmiergeldzahlungen der Telecom Italia an das Regime des früheren jugoslawischen Präsidenten Slobodan Milosevic bei der Übernahme einer 29-prozentigen Beteiligung an der serbischen Telekom im Jahr 1997 laufen auf Hochtouren.
Nach Angaben der römischen Tageszeitung "La Repubblica", die den Skandal ans Licht gebracht hat, wird gegen den Topmanager Tomaso Tommasi Di Vignano ermittelt, der 1997 den Posten des Geschäftsführers des italienischen Telekommunikationsriesen inne hatte. Ihm werden Korruption und Bilanzfälschung vorgeworfen.
Der 55-jährige Tommasi Di Vignano, der nicht mehr bei Telecom arbeitet, ist der erste Topmanager, gegen den die Turiner Staatsanwälte eine Untersuchung eingeleitet haben. Er wies jeglichen Vorwurf zurück, erklärte sich jedoch zur Zusammenarbeit bereit.
La RepubblicaAuch Ex-Präsident unter Verdacht
In den letzten Tagen haben die Ermittler auch den ehemaligen jugoslawischen Botschafter beim Heiligen Stuhl, Dojcilo Maslovaric, der als Vermittler und Kassier Milosevics in der Telekom-Affäre gilt, einvernommen.
Laut den Ermittlern ist er die Schlüsselfigur, die die Schmiergelder für Milosevic auf zwei Bankkonten in London und Frankfurt verwaltet hatte. Vernommen wurde auch der Präsident der Telecom Italia im Jahr 1997, Guido Rossi.
Millionen standen hinter ihm
Der Deal mit Milosevic soll laut "La Repubblica" vom noch
amtierenden Außenminister Lamberto Dini aktiv unterstützt worden
sein. Demnach soll die hohe Summe Milosevic ermöglicht haben, trotz
der zahlreichen Proteste der Opposition die Wahlen von 1997 zu
gewinnen. "Milosevic konnte mit dem Geld die Renten und die
Staatsgehälter zahlen und die Währungsreserven beleben, die auf
knapp 200 Millionen Dollar [220 Mio. Euro] zusammengeschrumpft
waren. Was noch wichtiger ist, Milosevic konnte das Heer in Kosovo
bewaffnen", so die linksliberale römische Tageszeitung.
Telecom ItaliaWeitere Vorwürfe
Für eine Debatte sorgte in Italien auch das Interview des ehemaligen Direktors der für ausländische Akquisitionen zuständigen Telecom Italia-Tochter Stet International, Mario Agliata, mit der Mailänder Tageszeitung "Il Giornale".
Agliata berichtete, seine Vorgesetzten hätten ihn überredet, den Vertrag mit Telekom Serbia zu unterzeichnen. "Stet International konnte nichts unternehmen, was nicht von der Telecom bereits beschlossen worden war", so Agliati.
