Widerstand gegen Elektroschrott-Richtlinie
Der IT-Branchenverband BITKOM fordert mehr Zeit für den Aufbau eines Systems zum Sammeln und Verwerten von Elektroschrott als die von der EU geplanten 30 Monate.
"Mit der vorgesehenen Halbierung der Umsetzungsfrist ist die Schmerzgrenze erreicht", sagte BITKOM-Geschäftsführer Bernhard Rohleder heute auf der Computermesse CeBIT in Hannover.
Eine verbraucherfreundliche Infrastruktur könne in dieser Frist nicht eingerichtet werden. Kritisch sieht der Verband auch die angepeilten Quoten bei Verwertung [60 bis 80 Prozent je nach Gerätekategorie] und Recycling [50 bis 75 Prozent].
Diese würden derzeit zwar in herstellereigenen Rücknahmesystemen für Unternehmen durchaus erreicht.
Sorgenkinder "Uralt-Geräte" und "Waisenprodukte"
Völlig unklar sei aber, wie dies im privaten Umfeld, bei
"Uralt-Geräten" und so genannten "Waisenprodukten" längst vom Markt
verschwundener Hersteller funktionieren könne. Daher spricht sich
der Verband für ein Pilotprojekt aus, um Erfahrungen zu sammeln und
Verbraucher mit den neuen umweltgerechten Systemen vertraut zu
machen.
IT-Branchenverband BITKOMEU-Parlament: Richtlinie soll 2004 in Kraft treten
Der Berichterstatter im EU-Parlament zur Elektroschrott-Richtlinie, Karl-Heinz Florenz, verteidigte die geplanten Vorgaben als realistisch.
"Wir brauchen eine stramme Vorlage, die europaweit Geltung bekommt", sagte er. Nach seiner Ansicht müsse die Richtlinie im übrigen bis 2004 in Kraft treten und nicht erst 2008, wie von der EU-Kommission ursprünglich angepeilt.
Die erste Lesung der Richtlinie im EU-Parlament sei voraussichtlich im Mai.
Sechs Millionen Tonnen Schrott
Jährlich fallen in der Europäischen Union derzeit - mit
steigender Tendenz - mehr als sechs Millionen Tonnen Elektroschrott
an. Dieser stammt zumeist aus privaten Haushalten. Dazu gehören
Bügeleisen ebenso wie Hightech-Geräte oder ausrangierte Computer.
Europäisches ParlamentBITKOM: "Wir brauchen Planungssicherheit"
Rohleder betonte das Interesse der IT-Branchen an einer EU-weit verbindlichen Regelung. "Wir brauchen Planungssicherheit und gleiches Recht für alle." Nötig sei deshalb, dass die Regeln auch für E-Commerce-Unternehmen oder Versandhändler gelten, die Produkte über Ländergrenzen hinweg verkaufen.
"Es darf keine Schlupflöcher geben." Klar sei, dass der Erstkäufer die Kosten für die Entsorgung zahle. Es dürfe nicht nach dem Prinzip "den Letzten beißen die Hunde" verfahren werden.
Nach Schätzungen fallen jährlich allein in Deutschland rund 2,2 Millionen PC, fast 3 Millionen Faxgeräte sowie mehr als 6,5 Millionen Telefone und Handys als Elektroschrott an.
Verkauft werden derzeit rund 7 Millionen PC und Notebooks, mehr als 6 Millionen Drucker und etwa 400 000 Faxgeräte jährlich, die alle eines Tages entsorgt werden müssen.
