60 Prozent weniger Downloads bei Napster
Napster hat es nach Ablauf einer 72-stündigen Frist nicht geschafft, alle urheberrechtlich geschützten Titel zu sperren. Nach eigenen Angaben hat Napster nur 26.000 von 135.000 Songs aus seinem Angebot tilgen können.
Die von der Bundesrichterin Marilyn Hall Patel in San Francisco gesetzte Frist war Mittwochabend [Ortszeit] abgelaufen.
Die Maßnahmen haben trotz der geringen Anzahl an gesperrten Songs Wirkung gezeigt: Dem Branchendienst Webnoize zufolge werden seitdem um 60 Prozent weniger Songs heruntergeladen als zuvor.
Die Musikindustrie hatte Napster am vergangenen Freitag eine Liste mit 135.000 Songs zur Sperrung vorgelegt. Napster hatte laut Urteil daraufhin drei Werktage Zeit, die Sperrung der angegebenen Songs vorzunehmen.
Wie Napster Songs sperren mussSchuldzuweisung an Musikindustrie
Napster machte für die nicht erfolgte Sperrung der über 100.000 Songs die Musikindustrie verantwortlich. Diese hätte eine Liste vorgelegt, mit der nur eine ungenaue Identifizierung der Songs möglich gewesen wäre.
"CNET" berichtete in diesem Zusammenhang, die Sony Music Group habe es versäumt, 46.000 Songs korrekt anzugeben.
Die Recording Industry Association of America [RIAA], die Napster wegen Verletzung von Urheberrechten verklagt hat, wollte bisher dazu keinen Kommentar abgeben.
RIAA-Sprecherin Amy Weiss hatte Napster zuvor jedoch vor "Verzögerungstaktiken" gewarnt. Die Anordnung der Richterin sei eindeutig.
NapsterNapster könnte straffrei ausgehen
Rechtsexperten von Napster vertreten nach US-Medienberichten unterdessen den Standpunkt, dass die Firma für Copyright-Verletzungen vor In-Kraft- Treten der gerichtlichen Anordnung keinen Schadenersatz zahlen müsse.
Napster habe kein Gesetz gebrochen, als es die Titel vorher ins Angebot nahm. Setzt sich dieser Standpunkt durch, bliebe Napster von Milliardenforderungen verschont.
Kooperation mit den Filter-Experten von Gracenote
Um seine Kooperationsbereitschaft zu verdeutlichen, hat Napster
gestern bekannt gegeben, mit Gracenote, einem Unternehmen, das
Anwednungen zur Musikerkennung herstellt, zusammenzuarbeiten. Durch
die Zuammenarbeit werde es in Hinkunft besser möglich sein,
strittige Musikdateien aus dem Angebot herauszufiltern. "Wir setzen
bei unseren Anstrengungen, den Richterspruch zu erfüllen, alle Hebel
in Bewegung", sagte Napster-Chef Hank Barry.
GracenoteAimster zieht "Pig Encoder" zurück
Der Napster-Konkurrent Aimster hat bekannt gegeben, dass er den "Aimster Pig Encoder" von seiner Website entfernt hat. Das erst Anfang März veröffentlichte Tool verwürfelt Namen von MP3-Dateien und erschwert so das Filtern nach Songtiteln.
Aimster-CEO Johnny Deep erkärte dazu, dass Aimster damit dem Drängen von Napster nachgekommen sei. Man könne allerdings keine Verantwortung für andere Sites übernehmen, die das Tool ebenfalls anbieten.
Der "Aimster Pig Encoder" nimmt jedes File im Napster-Verzeichnis mit der Endung "mp3" und enkodiert den Namen der Dateien so, dass eine Filterung nach Songnamen duch Napster erschwert wird.
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Die Enkodierung der Dateien erfolgt durch ein Verwechseln der
Buchstaben der Dateinamen. Aus "Music" wird z.B. "usicM", aus
"Hello" "elloH". Die "Aimster Pig Encoder"-Macher wollen mit dem
Programm gegen das "Filtern und Ausspionieren der Benutzer" durch
Napster protestieren. Dabei basiert das Programm auf einer Variation
von "Schweine-Latein". Schweine-Latein ist gänzlich unverwandt mit
Latein und bedeutet lediglich, dass der erste Buchstabe eines Wortes
mit dem letzten vertauscht und ein "ay"-Laut angehängt wird. Dass
dieses Schema durch Napster oder andere Autoritäten leicht zu
durchschauen ist, geben die Macher selbst zu. Jedoch würde solch
eine Gegenmaßnahme gegen das Urheberrecht der Pig-Encoder-Macher
verstoßen und bis zu 500.000 USD Schadensgeld und fünf Jahre
Gefängnisstrafe mit sich bringen.
Aimster "Pig Encoder"Die Napster-Aufregung hat dazu geführt, dass viele User zu alternativen Diensten wandern. Gemäß den "Most popular"-Listen des größten Downloadcenters der Welt, Download.com, haben einige Dienste bereits Napster überholt, was die Zahl der aktuellen Neuinstallationen betrifft.
Besonders beliebt ist Audiogalaxy Satellite, da es besonders Richtung MP3s hin ausgelegt ist und auch die Wiederaufnahme abgebrochener Downloads ermöglicht.
Auch Napigator, ein Tool, das das Wählen alternativer Napster-Server erlaubt, erfreut sich regen Zuspruchs. Hauptgrund ist, dass die User wie bisher das gewohnte Napster-Programm verwenden können und gleichzeitig Zugriff auf viel mehr Dateien haben.
Die Napster-Alternativen [inkl. Audiogalaxy Satellite]
