Neue Hoffnung für freies Musikformat
Die Programmierer der freien MP3-Alterative Vorbis legen ihre Initiative in die Hände einer Non-Profit-Foundation, die künfig als offizieller Träger des engagierten Multimedia-Projekts fungieren soll.
Die "Xiph-Foundation" soll einerseits das dringend erforderliche Fund-Raising professionalisieren, andererseits den Programmierern einen verbesserten Schutz gegen potenzielle Copyright- oder Patentverletzungsklagen garantieren.
Ziel des Vorbis-Projekts ist die Schaffung eines freien Musikformats, das im Gegensatz zu MP3 keinerlei proprietäre Technologien einsetzt und für das keinerlei Lizenzgebühren fällig werden.
Open-Source-Projekt Vorbis
Das Projekt mit dem Namen "Vorbis" wurde von Programmierern des
Online-Musikunternehmens iCAST betrieben. Initiiert von Christopher
Montgomery haben bereits vor einigen Jahren die Vorarbeiten zu
Vorbis begonnen. Schließlich wurde das Team um Montgomery von iCAST
angeheuert, um Vorbis fertig zu stellen.
Open-Source-Projekt VorbisVorbis-Sponsor iCAST macht Pforten dicht
Seit die Netzradiostation iCast ihre Pforten für immer schließen musste, ist dem Vorbis-Projekt überdies der Generalsponsor abhanden gekommen. Die Initiative zehrt seitdem von wohlmeinenden Spendern und persönlichen Investitionen der beteiligten Programmierer.
Mit dem neuen Non-Profit-Status soll es dem Projekt gelingen, die erforderliche Unterstützung in der Online-Welt zu gewinnen. Im nächsten Schritt soll die freie Vorbis-Technologie vermehrt in kommerzielle Musik-Player Einzug halten.
Um dieses ambitionierte Ziel zu erreichen, wird sich Vorbis gegen einflussreiche kommerzielle Konkurrenten behaupten müssen, die in erster Linie ihren eigenen, proprietären Musikformaten zum Durchbruch verhelfen wollen.
Online-Musikunternehmen iCAST wurde eingestelltDie Multimedia-Konkurrenz schläft nicht
Microsoft rührt kräftig die Werbetrommeln für "Windows Media" und buhlt mit einem bis ins Betriebssystem integrierten Kopierschutz um die Gunst der Musikindustrie. Thomson Multimedia und das deutsche Fraunhofer-Institut, der Inhaber der MP3-Patente, arbeiten an einer verbesserten Version von MP3, die im Laufe des Jahres auf den Markt kommen soll.
Xiph-Foundation: Rechtsschutz für Programmierer
"Sollte ein Unternehmen versuchen, uns zu klagen, wird sich die Xiph-Foundation darum kümmern", sagt Jack Moffit, Chefentwickler und Vorstandsmitglied der Foundation. "Keiner der beteiligten Entwickler soll persönlich haften."
Seit dem Erscheinen der ersten Beta-Version vor acht Monaten kann Vorbis auf einige Fortschritte verweisen. So unterstützt die weit verbreitete Musikplayer-Software Sonique bereits Vorbis. Auch für AOLs Winamp-Player existiert ein funktionsfähiges Plug-in. Demnächst wird auch Iomegas Musikplayer integrierten Vorbis-Support aufweisen.
Nach dem Vorbild der Apache-Enwickler will auch die Vorbis-Gruppe durch lockere Lizenzbedingungen die Integration des freien Musikformats in kommerzielle Player fördern.
So viel kostet MP3
Die meisten Patente am MP3-Verfahren hält das deutsche
Fraunhofer-Institut. Die Rechte daran werden von Thomson Multimedia
vermarktet. MP3-Musikunternehmen müssen danach ein Prozent des
Preises für einen MP3-Download abführen, zumindest aber 15.000
Dollar. Für MP3-Hardware fallen 50 Cents pro Geräteeinheit an,
ebenso 15.000 Dollar Minimum. Für jeden MP3-Encoder zur Herstellung
von MP3-Dateien gehen fünf Dollar an Thomson Multimedia. Womit
Unternehmen wie MusicMatch für ihre freien, MP3-basierenden
"CD-Ripper", die es Usern erlauben, ihre CDs ins digitale MP3-Format
zu konvertieren, kräftig drauflegen müssen.
Thomson-MultimediaFreie Encoder wie "LAME"
hingegen existieren in einer juristischen Grauzone. Ab 2001
stellt Thomson im Auftrag von Fraunhofer auch für Webcaster Gebühren
in Rechnung.
http://lame.sourceforge.net/Thomson/Frauenhofer: Allfällige Patentverletzungen werden verfolgt
Thomson Multimedia verfolgt nach Angaben eines Unternehmenssprechers die Vorbis-Entwicklung derzeit nur aus dem Augenwinkel.
Man werde aber sicher prüfen, ob es zu Patentverletzungen komme. "Wir halten das für durchaus möglich", sagte Thomson-Vizepräsident Henri Linde.
