25.02.2001

TELEKOM-KRISE

Bildquelle: dt

Nachfolger für DT-Chef gesucht

Angesichts des dramatischen Kursverfalls der T-Aktie soll nach Informationen der deutschen Zeitung "Welt am Sonntag" bereits hinter den Kulissen nach einem Nachfolger für den deutschen Telekomchef Ron Sommer gesucht werden.

In Regierungskreisen werde jetzt darüber spekuliert, ob Sommers Zeit noch in dieser Woche ablaufe, schreibt das Blatt in seiner heutigen Ausgabe. Den Angaben zufolge soll der Aufsichtsrat der Telekom bereits potenzielle Nachfolger für den Telekom-Chef sondiert haben.

Ein Telekom-Sprecher wies den Bericht entschieden zurück.

Schröder angeblich gegen Sommer

Sommer, der zum Wochenschluss betont hatte, er wackele nicht, soll nach Informationen des Blattes bereits zu Beginn der Woche dem Telekom-Aufsichtsratschef Hans-Dietrich Winkhaus seine Demission angeboten haben, wenn die Bundesregierung ihm nicht eine Ehrenerklärung gebe.

Doch Kanzler Gerhard Schröder soll diese Bitte mit einem "deutlichen Nein" verwehrt haben. Schlusspunkt eines offenbar seit langem gestörten Verhältnisses, schrieb das Blatt.

So soll Sommer bereits im Vorfeld der UMTS-Versteigerung vergangenen Herbst vor den kostentreibenden Regeln der Versteigerung gewarnt und um ein Termin beim Kanzler gebeten haben. Auch diese Anfrage soll Bundeskanzler Schröder verneint haben.

"Rücktritt von Ron Sommer unausweichlich"

Sommer soll kaum noch Kontakt ins Kanzleramt sowie ins Wirtschafts- und Finanzministerium haben, heiße es. Das Blatt zitierte einen nicht näher genannten Insider mit den Worten: "Den engen Draht in die Politik, wie etwa nach der Wahl 1998, gibt es nicht mehr. Das Verhältnis ist endgültig zerstört."

Vertrauenserklärung für Sommer

Die deutsche Bundesregierung hat auf die Vorwürfe reagiert und Deutsche Telekom-Chef Sommer am Sonntag das Vertrauen ausgesprochen.

In einer am frühen Nachmittag in Berlin veröffentlichten Erklärung des Bundespresseamtes zu den Rücktrittsgerüchten hieß es unter anderem, das operative Geschäft der Deutschen Telekom sei Sache "vor allem des Vorstandsvorsitzenden, mit dem die Bundesregierung vertrauensvoll zusammenarbeitet".

Die Regierung in Berlin wies darüber hinaus "Einmischungsversuche von Oppositionspolitikern" bei der Deutschen Telekom "scharf zurück".