21.02.2001

UPDATE

Bildquelle: geek

"Uns könnte eine Epidemie bevorstehen"

"Internet-Sucht" ist als Phänomen mittlerweile etabliert, als Steigerung wird jetzt von US-Psychologen eine digitale Katastrophe vorausgesagt.

"Jüngsten Untersuchungen zufolge sind rund sechs Prozent der Internet-Nutzer in den USA abhängig, also elf Millionen Menschen", berichtet die Psychologin Kimberly Young. "Uns könnte eine Epidemie bevorstehen."

Die Behandlung der Internet-Sucht erweist sich laut Experten allerdings als problematisch: Der "Totalentzug" ist wegen der wachsenden Bedeutung von Online-Diensten im Wirtschafts- und Alltagsleben kaum möglich.

Alkoholkranke an der Bar

Über das Gefahrenpotenzial des Internets sind sich viele Psychologen und Ärzte einig, bei den Behandlungsmethoden gehen die Meinungen allerdings auseinander.

So hat Young in Bradford im US-Bundesstaat Pennsylvania den Online-Beratungsdienst netaddiction.com gegründet. Dort kosten 50 Minuten Beratung in einem Diskussionsforum 89 Dollar.

Expertenstreit

Andere Experten stellen die Existenz der Internet-Sucht als Krankheitsbild überhaupt in Frage. "Kann das stundenlange Surfen als psychisches Problem wie die Schizophrenie oder eine Depression angesehen werden? Die Antwort lautet Nein", urteilt der Psychiater John M. Grohol.

Auch die Fachzeitschrift "CyberPsychology and Behavior" hat Zweifel in den Reihen der Psychiater ausgemacht: "Viele denken, dass es sich eher um eine Variante anderer Krankheiten handelt, wie der Spiel- oder der Kaufsucht", schreibt das Blatt.