Schwache PC-Industrie drückt Speicher-Preise
Seit Mitte November 2000 befindet sich der Markt für Computer-Arbeitsspeicher [RAM] im freien Fall.
Innerhalb von nur zwei Monaten sind die Preise teilweise um mehr als 70 Prozent gefallen. Random Access Memory, so der volle Name für "RAM", war noch vor wenigen Jahren eine der teuersten Komponenten jedes Personal Computers.
"Der plötzliche Preisverfall kam für uns alle überraschend", fasst Thomas Marschner, Europachef von Kingston Technology, im Gespräch mit der FuZo die Ereignisse zusammen.
Kingston Technology
Kingston Technology ist der weltweit größte unabhängige
Hersteller von RAM-Speichern und bietet dank Abkommen mit allen
wichtigen PC-Herstellern ein Sortiment von mehr als 2.000
verschiedenen Speicherprodukten. Das Unternehmen, das sich seit
Bestehen im Privatbesitz der Gründer John Tu und David Sun befindet,
hat im letzten Jahr Umsätze in der Höhe von 1,6 Milliarden USD
generiert.
Kingston TechnologyZwei Millionen Module pro Monat
Kingston fertigt monatlich rund zwei Millionen RAM-Module. "Derzeit ist eindeutig zu viel Ware auf dem Markt", beklagt Marschner. Wie alle anderen Speicherriesen ist auch sein Unternehmen am falschen Fuß erwischt worden. Die genauen Umstände rund um den Verfall ließen sich im Nachhinein nicht exakt rekonstruieren, so Marschner zur FuZo.
Hauptgrund dürften aber allzu optimistische Prognosen der PC-Industrie gewesen sein. "Alle haben mit stark steigenden PC-Verkäufen gerechnet", so Marschner. Die Speicherindustrie habe sich auf die vorliegenden Forecast-Zahlen gestützt. Im November und Dezember, als Gewinnwarnungen der PC-Hersteller eintrudelten, sei der Markt endgültig zusammengebrochen.
Historische Tiefpreise für RAM-Speicher
Was den Hersteller bedrückt, freut jedoch den Konsumenten: Die
Preise für Speicher befinden sich auf einem historischem Tief. Lag
beispielsweise der Preis für ein Modul mit 128 Megabyte Kapazität
rund zwei Jahre lang zwischen 2.000 und 2.500 ATS, ist dasselbe
Modul heute bereits ab 719 ATS erhältlich. [Kurzzeitig stieg der
Preis 1999 auf Grund von Erdbeben in die Höhe von 5.500 ATS.]
Die günstigsten SpeicherpreiseMehrere Speichertechnologien
Am Speichersektor gibt es mehrere Technologien, die untereinander nicht kompatibel sind. Die wichtigsten sind derzeit SDRAM [Synchronous Dynamic Random Access Memory] und RDRAM [Rambus Dynamic Random Access Memory].
SDRAM macht Löwenanteil aus
Allerdings mit großen Unterschieden: SDRAM macht rund 80 Prozent der produzierten Speicherbausteine aus, RDRAM rund zehn Prozent. "Den Rest besetzen Flash-Speicher für Digitalkameras und eine SDRAM-Weiterentwicklung, DDR-SDRAM", ergänzt Marschner.
Schneller heißt billiger
Ein Unikum des Speichermarktes ist, dass zu einem gewissen Zeitpunkt die schnellere Technologie die ältere nicht nur ablöst, sondern auch preislich unterbietet. So kosten SDRAM-Module, die mit einer Systemgeschwindigkeit [Busfrequenz] von 133 Megahertz belastbar sind, bereits weniger als herkömmliche 100-MHz-Chips.
Ausblick
Den Speichermarkt der kommenden Monate will Marschner nicht
vorhersagen. Im FuZo-Gespräch merkt er allerdings an: "Bei
Speicherpreisen geht es immer mal auch wieder aufwärts." Derzeit
sehe er aber keine Tendenz nach oben, auch nicht "in den nächsten
Wochen".
Speichermarkt ist "really crazy"
