Musiker fürchten lasche Copyright-Richtlinie
Ausgerechnet um mittellose Künstler macht sich der legendäre Beatles-Produzent George Martin derzeit Sorgen.
"Um die Elton Johns und Paul McCartneys dieser Welt müssen wir uns keine Gedanken machen", betonte Martin. "Es sind die kleinen Leute, um die wir uns sorgen müssen."
Wenn sie durch kostenlosen Musiktausch gebremst würden, statt mit ihrer Kunst Geld verdienen zu können, werde darunter die Kreativität leiden. "Deswegen wird es vielleicht den John Lennon der Zukunft nicht geben", sagte der Produzent unter Anspielung auf den legendären Kopf der Beatles.
US-Behörden gegen Tauschbörsen
Am Montag hatte ein US-Berufungsgericht gegen die kostenlose
Musikbörse Napster entschieden, eine Schließung des millionenfach
genutzten Service aber verschoben. Die Richter sahen in dem von
kalifornischen Unternehmen vermittelten Angebot zum Gratistausch von
Musikstücken per Internet jedoch einen Verstoß gegen das
Urheberrecht.
Napster ist tot, es lebe NapsterMusiker wollen verschärfte Bestimmungen
Einen Tag vor der Abstimmung über eine EU-weite Richtlinie zum Copyright im Internet äußerten sich Künstler zu aktuellen Copyright-Bestimmungen.
Europäische Künstler und Vertreter der Musikindustrie haben die Abgeordneten aufgefordert, die bestehenden Bestimmungen zu verschärfen. Das Parlament dürfe nicht durch Änderungsanträge in letzter Minute den mit dem EU-Ministerrat gefundenen Kompromiss zum Schutz gegen Raubkopien aushöhlen, sagte der Vorsitzende des Internationalen Föderation der Phonoindustrie [IFPI], Jay Berman.
Frisches Futter für Fatpipes
Jeder spreche vom Recht auf Privatkopien, doch wenn "ein Musiktitel per E-Mail millionenfach weitergeschickt" werde, sei das "nichts Privates mehr".
Heute EU-Abstimmung über Copyright-Richtlinie
Die belgische Popsängerin Axelle Red sagte, sie habe in einer Suchmaschine unter ihrem Namen 16.000 nicht genehmigte Links zu Songs von ihr gefunden. "Ich habe nichts dagegen, dass mein Werk im Internet verbreitet wird. Ich möchte aber gefragt werden."
Das Europaparlament stimmt heute, Mittwoch, über eine neue EU-Richtlinie zum Urheberrecht im Internet ab. Dadurch sollen im Kern die Rechte der Verbraucher beim Herunterladen von Musik, Filmen und Büchern aus dem Internet geschützt werden. Künstler und Musikindustrie befürchten, dass die geplante Richtlinie ihre Urheberrechte nicht umfassend schützt sowie massenhaftes und nicht autorisiertes Kopieren ihrer Werke aus dem Internet möglich macht.
Streitpunkt Privatgebrauch
Hauptstreitpunkt dabei ist die Definition von Kopien für den privaten Gebrauch. Der Richtlinien-Entwurf erlaubt grundsätzlich Vervielfältigungen "zu einem privaten Gebrauch durch eine natürliche Person für nicht kommerzielle Zwecke". Voraussetzung ist aber, dass der Rechte-Inhaber einen "angemessenen Ausgleich" erhält.
Eindeutige Klauseln gefordert
Künstler befürchten hingegen, dass etwa Songs aus dem Internet zu angeblich privaten Zwecken heruntergeladen und dann verbreitet werden. Sie fordern daher, das Recht auf Privatkopien strikt auf den rein persönlichen Gebrauch zu beschränken.
