Domain-Autorität ICANN unter Beschuss
Rund um die Entscheidung der ICANN [Internet Corporation for Assigned Names and Numbers] für neue Top-Level-Domains [TLD] hat sich eine Kontroverse entsponnen, die heute einen neuen Höhepunkt erreicht.
Bei einem Hearing vor dem US-Kongress soll die ICANN die Hintergründe und Kriterien für ihre Entscheidung darlegen.
Dabei geht es um die Domain-Endungen .info [für allgemeinen Gebrauch], .biz [Unternehmen], .name [Einzelpersonen], .pro [für Professionals wie Anwälte oder Ärzte], .museum [Museen], .coop [Kooperativen] und .aero [Luftfahrt].
Die Entscheidung für die sieben neuen Domain-Endungen ist im November vergangenen Jahres gefallen. Insgesamt waren 47 Vorschläge von Unternehmen, Konsortien und Lobbying-Gruppen eingebracht worden - für jeden Vorschlag wurden 50.000 USD erlegt. 50.000 USD, die mit der Nichtberücksichtigung der Vorschläge für die Antragsteller verloren sind.
Die neuen Top-Level-DomainsWer oder was ICANN ist
Die ICANN ist die weltweite Domain-Vergabeautorität im Internet.
Sie delegiert das Domain-Management weiter an
Country-code-TLD-Manager [wie NIC.at für die ccTLD .at oder DeNic
für .de] bzw. generic TLD [generische TLD sind bisher etwa .com,
.net und .org]. Die Rahmenbedingungen der Domain-Vergabe finden sich
in dem Internet-Standard RFC 1591.
RFC 1591"Behinderung des freien Wettbewerbs"
Als Hauptkritikpunkt an der Entscheidung des ICANN wird ins Treffen geführt, die Beschränkung auf nur sieben bzw. diese sieben neuen TLDs sei eine Behinderung des freien Wettbewerbs.
Bürgerrechtsbewegungen wie die American Civil Liberties Union führen darüber hinaus ins Treffen, die Beschränkung würde das Recht auf freie Meinungsäußerung im Internet beschneiden.
ICANN-CEO Michael Roberts bleibt angesichts dieser Vorwürfe gelassen: "Grundsätzlich ist es natürlich völlig legitim, dass die Frage nach den Entscheidungskriterien gestellt wird. Wir haben uns bei der Entscheidung für die neuen Top-Level-Domains viel Zeit gelassen - Tausende Stunden professioneller Beurteilung haben letztlich zu diesem Ergebnis geführt."
Kritik an den Kritikern
Nebenbei spart Roberts auch nicht mit Kritik an den Kritikern:
"Eine Gruppe, die jetzt gegen die Entscheidung für die neuen TLDs
argumentiert, verfolgt eigentlich ganz grundsätzlich den Ansatz,
dass eine privatisierte ICANN abzulehnen ist; eine andere Gruppe
sind Wirtschaftskräfte, die die Tätigkeit der ICANN als Beschränkung
für ihre Pläne, das Internet noch weiter und schneller zu
kommerzialisieren, sehen. Und dann gibt es noch eine dritte Gruppe -
Internet-Liberale, die jede Form der Autorität oder institutionellen
Präsenz im Cyberspace ablehnen."
ICANN
