28.01.2001

SCHUTZBEDÜRFTIG

Bildquelle: Microsoft

Das Internet als "feindliche Umwelt"

Nach den zwei Tage andauernden DoS-Attacken gegen verschiedene Microsoft-Sites [Vor allem MSN.com und Microsoft.com] scheinen zwei Dinge klar zu sein: Das Internet ist für Unternehmen eine "feindliche Umwelt" und die Sicherheitsmaßnahmen lassen zu wünschen übrig.

Zwar wurde gestern auch gemutmaßt, dass Microsoft die DoS-Attacken vom Donnerstag und Freitag nur erfunden habe, um nach zwei Tagen mit eingestandenermaßen selbstgemachten Problemen nicht noch weiter das Gesicht zu verlieren, aber wahrscheinlicher ist, dass der oder die Angreifer schlicht die Gelegenheit günstig fanden und vielleicht auch von den DNS-Problemen "inspiriert" wurden.

Außerdem wurde ihren Angriffen so mehr Öffentlichkeit garantiert und die MS-Techniker waren wahrscheinlich noch mit anderen Problemen beschäftigt.

Ein Jahr verstrichen

Zwar gibt es rund ein Jahr nach den ersten spektakulären DoS-Attacken [Die mit der Blockade der Yahoo-Sites begannen] einige Ansätze dieser und anderen Gefahren zu begegnen, aber offensichtlich werden auch von großen Unternehmen die Gefahren aus dem Netz immer noch unterschätzt.

Anders ist nicht zu erklären, dass beispielsweise Microsofts Netzwerkarchitektur sträfliche Schwachpunkte aufwies, die die jüngsten Angriffe enorm begünstigten und auch übergreifende Initiativen von Unternehmen und staatlichen Stellen, die als Frühwarnsysteme agieren könnten, nur langsam Kontur annehmen.

Gefährliche Umwelt

Die Sorglosigkeit vieler Unternehmen ist umso bemerkenswerter, als dass die meisten Attacken der Öffentlichkeit überhaupt nicht auffallen, sondern von den Firmen aus Image-Gründen verschwiegen und von den Nutzern als "normale" Verbindungsprobleme wahrgenommen werden.

Amit Yoran, Chef der Netzwerk-Sicherheitsfirma Riptech, sagte gestern, dass beispielsweise DoS-Attacken inzwischen zur täglichen Routine geworden seien und viele Netzwerke großer Firmen beinahe täglich Opfer von "harmloseren" Blockade-Versuchen seien.