Frauen unter-, Männer überschätzen sich
Zwar holen Frauen statistisch bei der Nutzung von Informationstechnologien und insbesondere des Internets zügig auf, aber die Selbsteinschätzung ihrer technologischen Fähigkeiten bleibt dabei mindestens realistisch - im Gegensatz zu Männern, die mit ihren Fähigkeiten offensichtlich gerne angeben.
Der aus dem Straßenverkehr bekannten Konstellation hat sich jetzt eine Studie der University of California auch wissenschaftlich akribisch genähert.
Bei der regelmäßigen Nutzung von PC und Netz liegen die jungen US-Frauen mit 77,8 Prozent nur knapp hinter den jungen US-Männern [79,5 Prozent] und die Nutzungs-"Intensität" in Detailbereichen nähert sich insgesamt auch an.
Männer schätzen allerdings ihre Fähigkeiten im Umgang mit Informationstechnologien doppelt so oft wie die Frauen als "überdurchschnittlich" ein [23,4 bzw. 47,7 Prozent].
Die Studie stützt sich auf die Auswertung von nicht weniger als 269.413 Fragebögen, die Studenten und Studentinnen von insgesamt 434 Universitäten und höheren Schulen bei ihrem Ausbildungsbeginn ausgefüllt haben.
Zusammenfassung der StudieKarriere-Konsequenzen
Eine Konsequenz aus der eigenen Selbsteinschätzung scheint der ungleich verteilte Wunsch nach einer Karriere im IT-Bereich zu sein.
Während diese von 9,3 Prozent der Männer angestrebt wird, wollen nur 1,8 Prozent der Frauen Programmiererinnen oder Ähnliches werden.
Die Leiterin der Studie, Linda Sax, sieht in einer zunehmend von Technologien dominierten Arbeitswelt in dem weiblichen Mangel an Selbstbewusstsein denn auch ein ernsthaftes Karriere-Hinderniss.
Die Situation für Frauen in der IT-Industrie wird auch von Carolyn Leighton, Vorsitzende der Organisation Women in Technology International, trotz der steigenden Zahl von Frauen, die das Netz nutzen, als unzureichend charakterisiert. Das führe dazu, dass immer mehr Frauen ihre Arbeitsplätze in etablierten Firmen aufgeben, um sich selbstständig zu machen. So stieg die Zahl der US-Unternehmen, die von Frauen besessen werden, von 1987 bis 1997 um 89 Prozent, während die Gesamtzahl der Unternehmen nur um 29 stieg.
Women in Technology InternationalMehr Frauen im Netz
In Deutschland ist unterdessen der weibliche Anteil unter den Internet-Nutzern über 30 Prozent gestiegen.
Das ergab eine Studie, die das Hamburger Marktforschungsunternehmen Fittkau & Maaß am Mittwoch veröffentlichte. Danach lag der Anteil der Frauen unter den Internet-Anwendern im Herbst 2000 bei 31,1 Prozent gegenüber 22,5 Prozent im Vorjahreszeitraum.
Beim Online-Einkauf verhalten sich Frauen jedoch noch deutlich zurückhaltender als Männer. Während 26,4 Prozent unter den Männern häufig online eingekauft haben, waren dies unter den Frauen nur 18,6 Prozent.
Trotz positiver Grundeinstellung seien weibliche Kunden skeptischer hinsichtlich der Sicherheit des Daten- und Zahlungsverkehrs im Internet, fand das Institut heraus.
Unter den Frauen halten 70,7 Prozent der Befragten die unsichere Übertragung von Kreditkartennummern für das größte Sicherheitsproblem beim Online-Einkauf, während diese Meinung nur 66,8 Prozent der Männer teilten. Weibliche und männliche Interessen am Internet-Einkauf unterscheiden sich der Studie zufolge deutlich voneinander. Frauen schätzten vor allem Unabhängigkeit von Öffnungszeiten, Zeitersparnis sowie stressfreies Einkaufen ohne Warteschlangen und Parkplatzsuche. Dagegen stünden Preisvergleiche, viele Produktinformationen und breite Auswahl bei Männern hoch im Kurs.
Frauen erobern das Web
