24.01.2001

NIELSEN SPRICHT

Bildquelle:

"WAP ist zum Sterben verurteilt"

Jakob Nielsen, der sich seit Hypertext-Zeiten mit Usability beschäftigt, erforscht auch die Interaktion des Menschen mit modernen Internet-Zugangsgeräten.

Im FuZo-Interview, Teil 2, spricht er über WAP, i-mode und mangelnde Benutzerfreundlichkeit des Handys.

Mit WAP [Wireless Application Protocol] hat er bis dato nur schlechte Erfahrungen gemacht. Im Herbst vorigen Jahres hat Nielsen in London eine Studie mit 20 Testpersonen durchgeführt. Die Probanden wurden mit WAP-Handys ausgestattet und nach einer Woche zu ihren Erfahrungen befragt. Zusätzlich wurden ihnen Aufgaben aufgetragen.

WAP ist eine Qual

"Selbst die einfachsten Aufgaben geraten mit WAP zur Qual", meint Nielsen im FuZo-Gespräch. Er hält WAP für eine von Anfang an fehlgeleitete Technologie. "Man muss sich jedesmal einwählen, wenn man nur ein paar Zeichen Information abfragen will. Auf einem viel zu kleinen Bildschirm muss man sich durch unzählige Menüs durchhangeln - ein Gräuel." Er verspricht sich aber viel von der kommenden dritten Generation der Handytechnologie.

"Ich glaube, es muss etwas Neues kommen, das so viel besser ist als die jetzigen WAP-Geräte, dass es die User sofort akzeptieren werden. Für derartige Geräte gibt es immer nur eine sehr kurze Zeitspanne, die entscheidet, ob es ein Flop wird. WAP ist so kompliziert zu benutzen, es ist daher nicht etwas, was die User jeden Tag freiwillig nutzen wollen." Wenn WAP fünf Jahre früher auf den Markt gekommen wäre, wäre ihm wohl ein besseres Schicksal beschieden, gibt Nielsen zu bedenken.

WAP zu spät gestartet

"Es hätte jedes Jahr ein bisschen verbessert werden können - wie Windows, das wird ja auch jedes Jahr ein bisschen nachjustiert, obwohl Teile der Grundlagen dahinter nicht optimal sind", so Nielsen zur FuZo.

Evolution verschlingt WAP

"Nachdem aber nur mehr zwei Jahre bleiben, bis die nächste Generation heranrückt, ist WAP wohl zum Sterben verurteilt", führt er weiter aus. "Die Evolution passiert hier viel schneller als beispielsweise bei PCs. Die User sind viel eher bereit, ihr Handy zu wechseln als ihren PC aufzurüsten."

Dafür ist Nielsen ein Fan von i-mode, einem japanischen Standard, der dort enorme Erfolge feiert und auch in Europa und den USA starten soll. "i-Mode ist tatsächlich WAP derart überlegen, dass es gut eine Zwischenlösung vor der dritten Generation von Handynetzen darstellen könnte", mein Nielsen. Besonders fasziniert ist er von der "always on"-Philosophie - der User ist immer online und muss sich nicht erst mühsam einwählen.

GPRS noch nicht gleichwertig mit i-mode

Ähnliches ist in Europa nun mit GPRS [General Packet Radio Service] möglich, allerdings fehlen geeignete Geräte und Netzabdeckung.

i-mode: Technisch ausgereift

"i-mode hat den Vorteil, dass es bereits technisch ausgereift und - zwar bis dato nur in Japan - weit verbreitet ist. Die einzige Frage ist, ob sie es schnell genug nach Europa und den USA schaffen. Die japanischen Konzerne hätten jedenfalls genug Produktionskapazität, um Millionen derartiger Mini-Computer herzustellen", schließt er sein Plädoyer für i-mode.