Hollywood startet "Video On Demand"
Das Zeitalter des digitalen Filmvertriebs hat begonnen: Ab heute bietet die US-Filmproduktionsfirma Miramax den Film "Guinevere" für 3,50 Dollar [rund 50 ATS] zum Download im Internet an.
Für den Preis bekommt man eine Lizenz, mit der man den Film in Form einer 500-MB-Datei dann 24 Stunden lang ansehen kann. Nach Ablauf der Zeit soll es technisch nicht mehr möglich sein, den Film anzusehen.
Eine Vervielfältigung der Datei soll nach Auskunft von Miramax zu keinem Zeitpunkt möglich sein.
Download nur in den USA möglich
Laut Miramax soll der Download bei einer Breitband-Verbindung
zwischen dreißig und sechzig Minuten dauern. Als Voraussetzungen für
den Download werden von Miramax genannt: ein Pentium-II-Computer
[oder ein gleich- resp. höherwertiger Rechner], Microsofts "Windows
Media Player 7" sowie eine Kreditkarte, über die der "digitale
Verleih" abgewickelt wird. Weitere Einschränkung: "Guinevere" kann
fürs Erste nur in den USA heruntergeladen werden. Dazu stellt
Miramax Server in sieben amerikanischen Städten bereit, die in der
Lage sein sollen, 300.000 Downloads pro Tag zu bewältigen.
Guinevere - The MovieMiramax, ein Unternehmen der Walt-Disney-Gruppe, hat erst im vergangenen April ein Übereinkommen mit SightSound.com geschlossen. Demnach sollen insgesamt zwölf Filme über das Internet und gegen Bezahlung downloadbar sein.
MiramaxSightSound.com hat bereits im Mai des vorigen Jahres mit dem Film "Quantum Project" Aufmerksamkeit erregt. Der Kurzfilm mit John Cleese in einer der Hauptrollen war der erste Spielfilm, der ausschließlich fürs Internet produziert wurde und auch nur dort angesehen werden konnte [der Download kostete damals 3,95 USD].
SightSound.comHollywood in Angst vor Napster & Co.
Zahlreiche Filmstudios sind auf der Suche nach Marketingstrategien für das Internet und hoffen, brauchbare Alternativen zu finden, bevor ihnen ein Napster der Filmbranche das Leben zur Hölle macht.
Erst im vergangenen Jahr gelang es der Filmindustrie, die Schließung der Filmtauschbörse Scour.com zu erreichen, womit Internet-Usern der Austausch von digitalen Filmen unmöglich gemacht werden sollte.
Vor diesem Hintergrund kann der Vorstoß von Miramax als Feldversuch gewertet werden, bei dem der Markt für "Video On Demand" ausgetestet und die technologischen Möglichkeiten des digitalen Filmvertriebs praktisch erprobt werden sollen, wobei vor allem Kopierschutzmaßnahmen im Vordergrund stehen.
Bei Miramax ist man sich im Klaren, dass es dabei keinen sicheren Kopierschutz geben kann. Aus diesem Grund hat man den Preis für den Download von "Guinevere" mit 3,50 USD relativ niedrig angesetzt, um so Raubkopien in großem Umfang vorzubeugen.
Hollywood muss sich warm anziehen
Digitale Filmpiraterie hat eine lange Tradition, die nicht erst mit den Video-CDs von "Star Wars: Episode 1" auf dem PC eingeführt wurde. Als dieser Film in den USA angelaufen war, hatten ihn die Piraten mit einer Videokamera abgefilmt, in Video-CDs mit lausiger MPEG-1-Qualität umgewandelt und unters Volk gebracht. Heute geht das Dank DVD viel einfacher und auch in besserer Qualität: Zahlreiche Streifen, die in Europa noch gar nicht angelaufen sind, stehen in den USA schon als DVD in den Läden und bald darauf im Netz. Bis vor einem Jahr war der vollständige Kopiervorgang für einen Kinofilm noch extrem zeitaufwendig, da eine DVD viel Speicherplatz auf der Festplatte verschlang und der Film auf zehn und mehr Video-CDs verteilt werden musste. Das hat sich inzwischen gründlich geändert. Mittlerweile passen zwei Stunden Kinofilm auf einen CD-Rohling - und das in guter Qualität. Auch die Tools, um eine DVD zu kopieren, werden immer perfekter.
DivX: Das MP3 für Kinofilme
Seit einigen Monaten macht ein neuer Codec für AVI-Filme im Internet die Runde, der sich "DivX ;-)" nennt und damit auf ein gescheitertes Verfahren für Leih-DVDs mit begrenzten Abspielmöglichkeiten anspielt, aber außer dem Namen nichts damit zu tun hat.
DivX erlaubt es, den Film einer DVD-Video statt im MPEG-2- im MPEG-4-Format zu speichern.
Mit dem DivX-MPEG-4-Format lässt sich der Inhalt einer DVD bei einer VHS überlegenen Qualität um den Faktor zehn bis zwölf reduzieren - statt sechs GB benötigt ein zweistündiger Film unter 700 MB. Damit existiert auch ein Format, um DVD-Video digital zu speichern: Es ist die herkömmliche CD-R, die schon für weniger als zehn ATS zu haben ist.
Details zu Videokompression mit MPEG-Verfahren und den verschiedenen MPEG-Standards erklärt ein
Grundlagenartikel des tecChannelDivX wird zu Open Source
Das Team, das mit "DivX ;-)" einen gehackten Microsoft-Codec für extreme Videokomprimierung entwickelt hat, stellt sein neues Projekt als Open Source ins Netz. OpenDivX läuft schon unter Windows und Linux und steht zum Download bereit.
Unter dem Namen Project Mayo entwickelt das Team, das angeblich einen MPEG-4-Codec von Microsoft gehackt hat, derzeit einen neuen Video-Codec. Ob dieser noch auf fremdem Quelltext basiert, ist bisher ungeklärt.
Das erste Projekt namens OpenDivX ist eine Open-Source-Version von DivX - damit lässt sich der derzeit leistungsfähigste MPEG-4-Codec für PCs auch auf andere Systeme portieren. Schon das erste DivX stand für Windows, Linux, MacOS und BeOS zur Verfügung.
Neben dem Quellcode steht auch eine bereits kompilierte Version des Codecs für Windows zur Verfügung.
Project Mayo
