21.01.2001

MIDEMNET

Bildquelle: midem

Zukunftsstrategien für digitale Musik

In Cannes beginnt heute die Midem, die größte Musikmesse der Welt. Vertreter von Plattenfirmen, Musikverlagen, Online-Unternehmen und Produzenten aus über 80 Ländern werden öffentlich diskutieren und neue Produkte und Applikationen vorstellen.

In diesem Jahr stehen die Themen Vermarktung von Musik im Internet, Internet-Piraterie sowie globale Marketing-Strategien im Vordergrund. Ein wichtiger Aspekt sind auch Fragen des Urheberrechts von digitalem und weltweit verfügbarem Content.

Künstler werden unabhängiger

Nach Meinung von Herbie Hancock und Peter Gabriel, die auf der Midemnet "The Artist's Perspective" darlegten, würde das Internet Musiker, Komponisten und Songschreiber unabhängiger von Plattenfirmen machen und ihnen eine Vielzahl neuer Möglichkeiten eröffnen.

Die Interpreten können sich selbst vermarkten, direkt mit den Fans in Kontakt treten und mit anderen Musikschaffenden im Web zusammenarbeiten, sagte Herbie Hancock.

Chancen für alternative Musik

Ähnlich sieht es Genesis-Mitbegründer Peter Gabriel: "Vor allem für alternative Musik, die keinen Massenmarkt hat, ist das Internet ideal". Der Künstler selbst sei bei der Online-Verbreitung seiner Musik stärker gefragt.

Deshalb hätten zunächst auch mehr unabhängige Plattenfirmen, die so genannten Independents, mitgemacht, als Gabriel im vergangenen Jahr das Internetunternehmen OD2 gründete. Mittlerweile seien aber auch die großen Plattenfirmen, die Majors, mit von der Partie.

OD2 stellt für Online-Händler Musik "on demand", also auf Abruf, im Netz zur Verfügung. Internetnutzer können sich die Dateien dann gegen Gebühr herunterladen.

Musik-Download per Handy

Einen weiteren Themenschwerpunkt der Midemnet bildete das Verhältnis von Internet, Mobiltelefonie und Musik, die nach Meinung von Fachleuten künftig stärker zusammenwachsen und eine Einheit bilden werden.

"Alle Online-Dienste werden in Zukunft mit allen Arten von Geräten verlinkt sein", sagte dazu Justin Chamberlain von Ericsson. Es werde dann möglich sein, mit Mobiltelefonen Songs aus dem Internet herunterzuladen oder sich seinen Wunschtitel auf digitale Jukeboxen oder Stereoanlagen beispielsweise in Bars oder Hotelzimmern zu laden.

"Auch der Austausch von Songs oder anderen Daten von Handy zu Handy ist dann kein Problem mehr."

Die Marktsituation

Bis zum Jahr 2004 wird das starke Wachstum der Umsätze bei den Online Contents laut Forrester Research 70 Milliarden Dollar erreichen, was die Umsätze bei den digital herunterladbaren Contents betrifft, darunter 10 Mrd. USD bei den herunterladbaren Musiktiteln.

Jupiter Communications, der führenden Firma für Branchenanalysen, zufolge wird erwartet, dass die Online-Musikeinnahmen - einschließlich Werbung, Merchandising und Ticketverkauf - von 71 Millionen USD im Jahr 1997 bis zum Jahr 2002 auf 2,8 Milliarden USD steigen.

Der Markt für die Online-Bereitstellung von Musiktiteln steckt zwar noch in den Kinderschuhen, gehört aber zu den am schnellsten wachsenden Marktsegmenten und wird den Vorhersagen zufolge bis zum Jahr 2002 1,6 Mrd. USD umfassen.

Innovationen im Bereich Webradio

Elliot Solomon von der amerikanischen Firma iM Networks [früher Sonicbox] stellte auf der Midemnet ein Webradio vor, das man innerhalb seines Hauses herumtragen kann.

Es empfängt die Internetradiostationen vom eigenen PC - momentan sind mehr als 800 über die Website von iM Networks verfügbar.

In Kürze will Philips eine Art Internet-Stereoanlage herausbringen, die den Komfort einer herkömmlichen Anlage bietet, aber Webradio abspielt.