Physik-Nobelpreis an "Vater des Mikrochips"
Der Nobelpreis für Physik 2000 geht an drei Forscher, die mit ihren Arbeiten die Grundlagen für die moderne Informationstechnologie gelegt haben, und zwar speziell durch ihre Erfindung schneller Transistoren, Laserdioden sowie integrierter Schaltkreise [vulgo Chips].
Ausgezeichnet werden die Forscher Herbert Kroemer [USA], Zhores Alferow [Russland] und Jack Kilby [USA]. Das gab die Königlich Schwedische Akademie der Wissenschaften heute in Stockholm bekannt. Ohne ihre Arbeiten gäbe es weder Computer, noch Handys oder CD-Spieler, hieß es.
Die Auszeichnung ist heuer mit umgerechnet mit neun Millionen Kronen [1,051 Millionen Euro] dotiert und wird am 10. Dezember, dem Todestag des Stifters Alfred Nobel, in Stockholm überreicht.
Zur Begründung der Preisvergabe
In der offiziellen Pressemitteilung des Nobel-Preiskomitees heißt
es zur Begründung der Preisvergabe: "Die diesjährigen
Nobelpreisträger haben durch ihre Erfindungen eine stabile Basis für
die moderne Informationstechnologie gelegt. Zhores I. Alferov und
Herbert Kroemer haben schnelle opto- und mikroelektronische
Komponenten, die auf geschichteten Halbleiterstrukturen, sogenannten
Halbleiterheterostrukturen, aufbauen, erfunden und weiterentwickelt.
Mit der Heterostrukturtechnik gebaute schnelle Halbleiter befinden
sich z.B. in Telekommunikationssatelliten und Basisstationen der
Mobiltelefonie. Mit gleicher Technik gebaute Laserdioden treiben die
Informationsflut in den Glasfaserkabeln des Internets. Man findet
sie auch in CD-Spielern, Strichkodlesern, Laserzeigern und anderem."
Pressemitteilung des Nobel-PreiskomiteesMedieninteresse konzentriert sich auf Kilby
Der frischgebackene Physik-Nobelpreisträger Jack Kilby von der in Dallas ansässigen Firma Texas Instruments gilt als Entwickler der so genannten integrierten Schaltkreise [IC] und damit als Vater der modernen Mikroelektronik.
Kilby hat mit seiner bahnbrechenden Arbeit zum Mikrochip die Welt bis weit in die meisten Bereiche des Alltags verändert. "Wir haben damals nicht abschätzen können, dass die sinkenden Kosten für Chips zu den verschiedensten Anwendungen von Elektronik führen wird", sagte Kilby einmal.
Der Inhaber von 60 Patenten war auch an der Entwicklung des Taschenrechners beteiligt.
Werdegang von Jack Kilby
Bereits am 12. September 1958 präsentierte der Physiker den
ersten Mikrochip in den Labors von Texas Instruments, wo der
76-Jährige bis heute ein Büro hat. Schon der erste Chip war nicht
größer als eine Heftklammer. Mikrochips werden heute in
Alltagsapparaten wie Waschmaschinen bis hin zu leistungsstarken
Computern eingesetzt. In Jefferson City [Missouri] geboren, besuchte
Kilby die Universitäten von Illinois und Wisconsin. Für Texas
Instruments entwickelte der Physiker Chipanwendungen für Militär,
Industrie und Wirtschaft. Von 1978 bis 1984 war der Amerikaner
Professor an der Texas A&M Universität. "Heute beschäftige ich mich
noch ein wenig mit Beratungsarbeiten", bekannte der verheiratete
Vater von drei Kindern in einem Interview. Zuletzt machte Kilby mit
der Entwicklung verbesserter Systeme zur solaren Energiegewinnung
von sich reden.
Jack Kilby-Homepage bei Texas InstrumentsReaktion aus Österreich
Der Physik-Nobelpreis 2000 an Kroemer, Alferow und Kilby ist für Erich Gornik vom Institut für Festkörperelektronik der Technischen Universität Wien "phantastisch, das vergönne ich ihnen. Ich habe die ganzen vergangenen Jahre damit gerechnet." Die Ergebnisse ihrer Arbeit finden sich heute in jedem Handy, jeder Sat-Schüssel oder jedem Taschenrechner, sagte Gornik.
Kilby kann laut Gornik als "Vater der Mikroelektronik" bezeichnet werden. "Als ich noch studiert habe, haben wir Einzeltransistoren gekauft und diese auf eine Platine montiert", erinnert sich der Physiker. Kilby habe die revolutionäre Idee gehabt, alle Schaltungen, Widerstände und Kapazitäten miniaturisiert in einer Schaltung zu integrieren.
"Einzigartig in der Menschheitsgeschichte"
Die Erfindung Kilbys hat nach Ansicht Gorniks eine Revolution
ausgelöst, die einzigartig in der Menschheitsgeschichte sei: "Seit
der Erfindung der integrierten Schaltung hat sich die Zahl der Bits,
also der Speicherplätze, pro Chip jedes Jahr verdoppelt." Während am
Anfang nur 30 Transistoren auf einen Chip integriert gewesen seien,
hätten nun bis zu zehn Millionen Platz.
Homepage Prof. Gornik
