Bannerwerbung, made in Cuba
Die kubanische Vorzeige-Universität UCI soll Entwicklungsländer mit freier Software versorgen. Besucher berichten jedoch auch von Überwachungstechnologien und devisenbringenden Geschäften mit dem Ausland.
10.000 Studenten besuchen Havanas Hightech-Universität UCI. Die Regierung will sie dort für die kubanische Info-Revolution fit machen. Besucher berichten von modernsten Studentenwohnheimen mit Klimaanlagen und Klassenräumen mit Flachbildschirmen – ein deutlicher Kontrast zum Rest des Landes, das angesichts andauernder US-Sanktionen und fehlender Unterstützung der ehemaligen Verbündeten aus Osteuropa seit Jahren kriselt.
Teil des UCI-Programms ist es, Software zu schreiben, die Entwicklungsländern einen nachhaltigeren Umgang mit Computern ermöglichen sollen. Die US-Medienforscherin Gwendolyn Floyd berichtet, dass man versuche, den in Europa und den USA typischen Veralterungsyklus neuer Technologien zu durchbrechen.
"Ein Professor erklärte mir dazu, das Ziel sei, einen heute existierenden Computer noch in 20 Jahren nutzen zu können, ohne dass er an Funktionalität einbüßt", erklärt Floyd. An derartigen Entwicklungen könnten sich die entwickelten Länder ein Beispiel nehmen, glaubt sie.
Überwachen und werben
Doch die nachhaltige Software ist offenbar nur ein Teil der UCI-Entwicklung. Floyd und ihr Partner Joshua Kaufman von der Beratungsgruppe Regional bekamen an der UCI auch Technologien vorgeführt, die ihrer Meinung nach zur besseren Überwachung von Oppositionellen eingesetzt werden sollen.
Laut Kaufman werden über die UCI auch Devisen ins Land geschleust: "Es gibt dort ein Design-Lab, das sehr hochwertige Werbekampagnen für Länder wie Venezuela entwickelt - und das, obwohl es in Kuba selbst keine Werbung gibt."
Weiterentwicklung im Untergrund
Kuba gilt in bezug auf das Internet und andere Technologien immer noch als Entwicklungsland. Ein Grund dafür ist, dass das kubanische Regime den freien Zugang zum Netz so schwer wie möglich macht. Bis Frühjahr 2008 war es Kubanern zumindest offiziell verboten, Computer zu besitzen.
Mittlerweile ist der private Besitz von PCs, DVD-Playern und Mobiltelefonen erlaubt. Kubanern ist es jedoch immer noch verboten, von den eigenen vier Wänden aus auf das Internet zuzugreifen. Einige Nutzer lassen sich davon jedoch nicht abhalten.
Nachts wählen sie sich illegal in Firmencomputer ein, um die Internet-Zensur ihres Staates zu umgehen und auf ausländische Nachrichtenquellen zuzugreifen. "Kubaner interessieren sich sehr dafür, was der Rest der Welt über ihr Land denkt und berichtet", sagt Gwendolyn Floyd.
Heute, 22:30 im Ö1-Magazin "matrix"
Janko Röttgers sprach mit Gwendolyn Floyd und Joshua Kaufman über Kubas illegale Internet-Zugänge, die Elite-Uni UCI, kubanische Blogger und die Bedeutung von Flash-Speichermedien.
(matrix | Janko Röttgers)
