"Internetoffensive" trotzt Neuwahlen

29.07.2008

Bei der Präsentation der Zwischenbilanz zur "Internetoffensive Österreich" haben sich Vertreter der heimischen IKT-Wirtschaft am Dienstag betont zuversichtlich gezeigt, sich trotz Neuwahlen und Umbruchsstimmung Gehör für ihre Anliegen zu verschaffen.

Vor vier Monaten wurde die "Internetoffensive" unter der Schirmherrschaft von Bundeskanzler Alfred Gusenbauer [SPÖ] und Vizekanzler Wilhelm Molterer [ÖVP] gestartet, eine Initiative aus Politik, Wissenschaft und Wirtschaft, die dem Land eine längst geforderte IT-Strategie bescheren sollte.

Österreich hatte Ende der 90er viel Boden im Bereich der Informations- und Kommunikationstechnologien [IKT] gutgemacht, fiel zuletzt aber in diversen Rankings zurück.

Vorweg sagte HP-Geschäftfsführer Rudolf Kemler bei einer Pressekonferenz am Dienstag, dass sich das Bild durch die anstehenden Neuwahlen etwas geändert habe: "Aber wir werden unsere Arbeit sauber zu Ende bringen und dem Nachfolger dieser Regierung in Form einer 'Internetdeklaration' übergeben." Das Thema spiele schließlich für das Land Österreich in seiner weiteren Entwicklung eine wesentliche Rolle.

Priorisierung der Maßnahmen

Harald Himmer, Geschäftsführer von Alcatel-Lucent Austria, betonte, die Arbeit der insgesamt sechs Arbeitskreise habe nicht bei null begonnen. Die Erkenntnisse der IKT-Taskforce sowie aus dem IKT-Masterplan seien in die Arbeit eingeflossen.

Grundlegend seien die drei Faktoren Technologie, deren Verbreitung und deren Nutzung. In einer ersten Phase der Initiative wurden Experten konsultiert und Workshops gehalten, in der nun abgeschlossenen Phase zwei ging es vor allem um die Priorisierung nach Wichtigkeit und Machbarkeit.

Unter den priorisierten Maßnahmen findet sich etwa die Durchführung von Informationskampagne, um die Nutzung neuer Technologien anzutreiben. Weiters pocht die Initiative auf die gezielte Vermittlung von Medienkompetenz quer durch alle Generationen und sozialen Schichten, die Einrichtung einer zentralen Stelle zur Koordinierung der österreichischen IKT-Strategie sowie eine Schärfung des Profils der österreichischen IKT-Forschung.

Keine öffentlichen Mittel

Die an der Initiative teilnehmenden Unternehmen haben die Kampagne laut eigenen Angaben selber finanziert.

Erkenntnisse der Arbeitskreise

Tele2-Chef Robert Hackl präsentierte schließlich noch Erkentnisse aus den einzelnen Themenbereichen: Der Arbeitskreis "Gesundheit und Soziales" empfiehlt etwa die Einrichtung eines Webportals, über das Patienten ihre persönlichen Daten abfragen können.

Im Arbeitskreis "Kultur und Medien" werde etwa die Digitalisierung des österreichischen Kulturguts gefordert. Außerdem spiele in diesem Bereich das Urheberrecht eine immer größere Rolle, weshalb eine zentrale Stelle für alle Fragen rundherum eingerichtet werden müsse.

Die Experten im Bereich "Sicherheit und Konsumentenschutz" beschäftigten sich vor allem mit transparenten Regeln für den Online-Handel, aber auch dem Schutz der Privatsphäre im Internet. Im Expertenkreis "Wirtschaft, Infrastruktur und E-Government" beschäftigte man sich vor allem mit der Notwendigkeit einer moderenen Infrastruktur als Basis für die Wettbewerbsfähigkeit des Landes.

"Das Ziel sind 100 MBit/s für jeden Österreicher ins Haus - für die Umsetzung und die dafür notwendigen Investitionen sind Public-Private-Partnerschaften nötig", so Hackl. Dieses nun zusammengestellte Programm solle als Grundlage für eine IKT-Strategie des Landes dienen.

Weitere Zusammenarbeit angeboten

Auf die Frage, ob in Sachen Infrastruktur etwa die oft geforderte Trennung der Telekom Austria in eine Infrastrukur- und eine Servicegesellschaft ein Thema der "Internetoffensive" gewesen sei, sagte Hackl: "Natürlich wurde so etwas auch diskutiert."

Kemler signalisierte die Bereitschaft der teilnehmenden Wirtschaftsvertreter, auch in Zukunft an dieser Strategie weiterzuarbeiten. "Ziel sollte es sein, dass die Politik in ständiger Kommunikation mit uns ist", so Himmer abschließend. Auch Hackl betonte, wie wichtig das Thema ist: "Es wird notwendig sein, all diese Dinge in ein Regierungsprogramm hineinzuschreiben und auch Geld dafür zur Verfügung zu stellen."

Der scheidende TA-Festnetzchef Rudolf Fischer sagte seine Teilnahme an der Veranstaltung übrigens "im letzten Moment" ab.

Die einzelnen Arbeitskreise stellten in den vergangenen Monaten immer wieder ihre Ergebnisse der Öffentlichkeit vor, über die Website der Initiative konnte zudem jeder österreichische Bürger Ideen einbringen und seine Meinung kundtun.

(futurezone | Nayla Haddad)