Vodafone schockt mit schwachem Ausblick

börse
22.07.2008

Der britische Telekommunikationskonzern Vodafone hat mit einem verhaltenen Ausblick die Aktien der gesamten Branche auf Talfahrt geschickt.

Der Konzern rechnet wegen der schwächelnden Konjunktur im laufenden Geschäftsjahr 2008/09 nur noch mit einem Umsatz am unteren Ende der angepeilten Spanne von 39,8 bis 40,7 Milliarden Pfund.

Der scheidende Konzernchef Arun Sarin verwies am Dienstag unter anderem auf Probleme in Spanien in Folge der dortigen Immobilienkrise. Vodafone habe die gesamte Branche daran erinnert, dass niemand vor dem Folgen einer Konjunkturabschwächung immun sei, sagte ein Analyst.

Abschied von Arun Sarin

Branchenexperten hatten bislang gehofft, dass Vodafone von der Wirtschaftsflaute weitgehend verschont bleiben werde. "Wir stellen langsam fest, dass die Auswirkungen des gegenwärtigen wirtschaftlichen Umfelds größer sind, als wir erwartet hatten", sagte Sarin. Der Vodafone-Chef hat in den vergangenen Jahren den Vorstoß in aufstrebende Märkte vorangetrieben, um das sich abschwächende Europa-Geschäft auszugleichen.

Analysten hatten Zweifel angemeldet, ob diese Strategie ausreicht. Sarin gibt nach fünf Jahren an der Spitze von Vodafone seinen Posten am 29. Juli an den bisherigen Vize-Chef Vittorio Colao ab.

Aktien auf Sinkkurs

Die Aktie des weltgrößten Mobilfunkkonzerns brach in London um 15 Prozent ein, der Börsenwert schmolz um rund 14 Milliarden Euro. Die Papiere der Deutschen Telekom gaben sechs Prozent nach, die der spanischen Telefonica um mehr als sieben Prozent. Dem schwedischen Telekomausrüster Ericsson halfen auch besser als erwartet ausgefallene Quartalszahlen nicht - die Aktie brach um neun Prozent ein.

Zufrieden mit laufendem Quartal

Anders als der enttäuschende Ausblick entsprachen die Einnahmen von Vodafone im abgelaufenen Vierteljahr mit 9,8 Milliarden Pfund [etwa 12,3 Milliarden Euro] noch den Erwartungen der Börsianer. Insgesamt war dies ein Plus von knapp 20 Prozent; abgesehen von Übernahmen betrug der Anstieg allerdings lediglich rund zwei Prozent.

Der Konzern gewann in den drei Monaten bis Ende Juni 8,5 Millionen Kunden. An seiner Gewinnprognose hielt der Konzern fest. Der bereinigte operative Gewinn soll danach zwischen elf und 11,5 Milliarden Pfund liegen.

Spanien, Irland, Großbritannien schwach

In Spanien leidet das Geschäft Sarin zufolge an den Folgen der schwächelnden Baukonjunktur. Es kämen weniger Wanderarbeiter ins Land, die Handys benutzten, und auch auf den Baustellen werde seltener zum Mobiltelefon gegriffen. Auch in Großbritannien und Irland schwächele das Geschäft.

Auf dem deutschen Markt sieht Vodafone die konjunkturellen Risiken bislang wesentlich entspannter. "Wir sehen einen Unterschied zwischen Spanien und uns", sagte der Chef von Vodafone-Deutschland, Friedrich Joussen, in Düsseldorf. In Deutschland sei die Arbeitslosenzahl auf dem niedrigsten Stand seit Jahren. Zudem habe es relativ hohe Lohnabschlüsse gegeben, und eine Immobilienkrise gebe es hier praktisch nicht.

(Reuters)