Korruptionsvorwürfe gegen Telecom Italia
Im 2006 aufgeflogenen Abhörskandal in Italien hat die Mailänder Staatsanwaltschaft die Konzerne Telecom Italia und Pirelli wegen Korruption angeklagt.
Insgesamt würden rund 30 Verdächtige beschuldigt, in die 2006 aufgeflogene Affäre verwickelt zu sein, berichtete die italienische Nachrichtenagentur Ansa am Samstag.
Im Zentrum des Skandals steht der frühere Chef für Sicherungssysteme der Telecom Italia, Giuliano Tavaroli. Wie die Zeitung "La Repubblica" berichtete, wirft die Staatsanwaltschaft beiden Unternehmen mangelnde Wachsamkeit vor. Sie werden daher der Korruption mitbeschuldigt. Ihnen drohe eine Strafe von jeweils 1,5 Millionen Euro.
Nicht von den Ermittlungen betroffen ist der Chef von Pirelli, die frühere Nummer eins der Telecom Italia, Marco Tronchetti Provera. Die Ermittler konnten nicht feststellen, dass er über Tavarolis Abhöraktion informiert war.
Politiker ausgespäht
Ursprünglich soll der Abhörring zur Überwachung von Telecom-Mitarbeitern eingerichtet worden sein. Das illegale System soll dann jedoch immer weiter entwickelt worden sein, um schließlich jahrelang zahlreiche prominente Politiker, Sportler und Wirtschaftsführer auszuspionieren.
Tavaroli standen nach Angaben von "La Repubblica" 500 Telecom-Angestellte zur Verfügung, um alle möglichen Informationen zu sammeln. Die Zahl der illegal Abgehörten belief sich auf mehr als 100.000.
Datenhandel und Erpressungen
Dabei gewonnene vertrauliche Erkenntnisse sollen weiter verkauft oder für Erpressungen genutzt worden sein, was den Kriminellen insgesamt 20 Millionen Euro eingebracht haben soll.
Durch Bestechung seien auch Nachrichten über die Datenbanken des Innen-, Wirtschafts- und Justizministeriums ge- und verkauft worden.
Die riesige private außergesetzliche Telecom-Datenbank hatte eine direkte Verbindung zum italienischen Geheimdienst SISMI.
(APA | AFP)
