Siemens streicht 500 Stellen in Österreich

konzerne
08.07.2008

Der Technologiekonzern Siemens will weltweit 16.750 Stellen abbauen. In Österreich sollen 500 Arbeitsplätze wegfallen, in Deutschland sind 5.250 Jobs betroffen, wie das Unternehmen am Dienstag mitteilte.

Der Großteil der Arbeitsplätze werde bis 2010 in der Verwaltung gestrichen. Durch die Neuorganisation des Konzerns würden aber auch in der Produktion Einschnitte nötig.

Insgesamt kappt Siemens 4.150 Jobs außerhalb der Verwaltung. Zudem plane der Konzern den Verkauf seiner Industriemontagesparte SIMS, die in Deutschland rund 1.200 Menschen beschäftigt.

Am stärksten von der Stellenstreichung betroffen seien die Standorte Erlangen, München, Nürnberg und Berlin. Von den drei Sektoren von Siemens schultert die Sparte Industrie mit 6.350 wegfallenden Stellen den größten Anteil des Jobabbaus. Allein in der gebeutelten Zugsparte fallen 2.500 Stellen weg.

Siemens-Chef Peter Löscher verteidigte den Schritt: "Die Geschwindigkeit, mit der sich das Geschäft weltweit verändert, hat erheblich zugenommen. Wir stellen Siemens darauf ein. Auch vor dem Hintergrund einer sich eintrübenden Konjunktur müssen wir effizienter werden."

Personalvorstand Siegfried Russwurm kündigte an, die Stellenstreichungen möglichst sozialverträglich mittels Transfergesellschaften und Altersteilzeitregelungen umzusetzen. "Betriebsbedingte Kündigungen können nur das allerletzte Mittel sein", erklärte er.

500 Stellen in Österreich fallen weg

Siemens Österreich muss im Rahmen der Sparbemühungen des Gesamtkonzerns 500 von seinen bisher 8.000 Stellen streichen. Der Personalabbau wird im Vertriebs- und Verwaltungsbereich stattfinden und soll möglichst sozialverträglich durchgeführt werden, sagte Harald Stockbauer, Konzernsprecher von Siemens-Österreich. Die Maßnahmen würden im Vertriebs- und Verwaltungsbereich stattfinden.

"Der Vorstand befindet sich ab sofort in internen Gesprächen wie das Kostensenkungsprogramm so sozialverträglich wie möglich durchgeführt werden kann." Man werde in Gespräche mit den Belegschaftsvertretern eintreten.

Sozialplan möglich

Maßnahmen, wie dies erreicht werden kann, umfassen Pensionierungen, Altersteilzeit, Outsourcing und bevorzugte Vermittlung innerhalb des Konzerns. Auch ein Sozialplan sei möglich, sagte der Sprecher. Bis wann die Gespräche mit dem Betriebsrat beendet sein werden, könne derzeit nicht gesagt werden.

Siemens-Österreich beschäftigt derzeit rund 8.000 Mitarbeiter [ohne Zentral- und Osteuropa]. In der Siemens-Region Zentral- und Osteuropa, für die Wien verantwortlich zeichnet, sollen weitere 50 Jobs abgebaut werden.

Einsparungen in Österreich

Siemens Österreich muss innerhalb von zwei Jahren 42 Millionen Euro einsparen. Das Unternehmen hat bereits angekündigt, einen einen Teil seiner Elektronikfertigung Simea in Wien, Linz und Siegendorf veräußern zu wollen. Von dieser Maßnahme sind 620 Mitarbeiter betroffen.

"Rasenmähermethode"

GPA-Vorsitzender Wolfgang Katzian hat am Mittwoch die Siemens-Jobabbaupläne in Österreich als auf unverständliche Weise pauschal und gleichzeitig vage kritisiert und angekündigt, sich zusammen mit dem Betriebsrat den geplanten "sozialverträglichen Stellenabbau genau anzuschauen: Wir werden um jeden einzelnen Arbeitsplatz kämpfen und sicher nicht sofort über einen Sozialplan reden", sagte Katzian.

Siemens Österreich sei gut aufgestellt und mache Gewinne, "da mit einer Rasenmähermethode drüberfahren zu wollen, ist Wahnsinn", so Katzian.

Gewerkschaft will kämpfen

Siemens-Österreich-Betriebsratschef Fritz Hagl erklärte, er könne sich nicht vorstellen, wo Siemens-Österreich 500 Stellen einsparen könne. Das Konzern-Management werde ihm dies bei den Gesprächen in den kommenden Wochen genau erklären müssen.

Siemens Österreich selbst stellte am Dienstag alle möglichen Maßnahmen in den Raum, ohne konkreter zu werden."Der Betriebsrat und wir horchen uns das mit unseren Experten an und werden dann entsprechende Maßnahmen setzen", sagte Katzian. "Die Mitglieder können sich darauf verlassen, dass ihre Gewerkschaft hinter ihnen steht."

(Reuters | APA)