Yahoo rechnete mit Microsoft-Offert

vor gericht
03.06.2008

Yahoo hat sich internen Unterlagen zufolge monatelang auf die Abwehr des Microsoft-Übernahmeangebots vorbereitet.

Yahoo-Konzernchef Jerry Yang ließ schon im Oktober 2007 provisorisch eine Pressemitteilung aufsetzen, die eine entsprechende Offerte zurückweist, wie im Zuge eines Gerichtsverfahrens am Montag veröffentlichte Dokumente zeigen.

Microsoft hatte sein 47,5 Milliarden Dollar schweres Angebot erst im Jänner vorgelegt. Der Software-Konzern hat es mittlerweile zurückgezogen. Die Yahoo-Führung hatte sich monatelang dagegen gesträubt.

Das Gerichtsverfahren wird durch Yahoo-Anleger angestrengt. Sie fordern, dass Konzernchef Yang seinen Widerstand gegen Microsoft aufgibt.

"Persönliche Antipathie gegen Microsoft"

Weiters ist der Vorwurf aufgetaucht, dass Yahoo bereits im Jänner 2007 ein lukratives Angebot von Microsoft zur Übernahme abgelehnt haben soll. Microsoft habe damals 40 Dollar pro Yahoo-Aktie geboten, heißt es in Dokumenten, die die Anwälte der klagenden Aktionäre am Montag auf der Internetseite der Kanzlei BLB&G veröffentlichten.

Im Februar 2008 bot Microsoft dann nur noch 31 Dollar pro Aktie an, hob die Offerte dann aber auf 33 Dollar an. Auch dies wurde von Yahoo abgelehnt. Inzwischen ist die Aktie an der Börse nur noch etwa 26 Dollar wert.

Die Kläger werfen der Firmenleitung von Yahoo vor, das Angebot wegen "persönlicher Antipathie gegen Microsoft zum Schaden der Firma und ihrer Aktionäre" abgelehnt zu haben.

Zuletzt ließen Yangs Äußerungen und seine Bereitschaft zu diversen Treffen mit Vertretern Microsofts jedoch darauf schließen, dass er auf einen höheren Preis aus ist.

Alternativen zum Komplettverkauf

"Derzeit sprechen wir nicht über einen Komplettaufkauf von Yahoo, sondern suchen nach anderen Lösungen", sagte Microsoft-Chef Steve Ballmer jüngst in einem Interview mit der ungarischen Wirtschaftswochenzeitung "Figyelö".

"Doch wir halten uns die Option offen, dass wir ein Angebot für Yahoo als Ganzes unterbreiten, oder wir verhandeln mit Aktionärsrebellen wie zum Beispiel Carl Icahn", fügte er hinzu.

Presseberichten zufolge könnte es sich dabei um Überlegungen zwecks der Gründung eines Gemeinschaftsunternehmens über Online-Werbung handeln. Das Joint Venture würde mit Google konkurrieren. Google hat in diesem Bereich einen Marktanteil von 58 Prozent.

(AFP | Reuters)