Ex-Siemens-Chef Kleinfeld droht Strafe
Wegen Verletzung der Aufsichtspflicht
In der Siemens-Schmiergeldaffäre ermittelt die Staatsanwaltschaft nach Informationen der "Süddeutschen Zeitung" nun auch gegen den früheren Vorstandschef Klaus Kleinfeld wegen des Verdachts auf Verletzung der Aufsichtspflicht.
Gegen bis zu zehn ehemalige Topmanager seien entsprechende Ordnungswidrigkeiten-Verfahren eingeleitet worden, darunter auch gegen Kleinfeld, schreibt die Zeitung in ihrer Freitag-Ausgabe ohne Angabe von Quellen.
Kein Kommentar vom Staatsanwalt
Kleinfeld, der in der vergangenen Woche an die Spitze des weltweit drittgrößten Aluminiumproduzenten Alcoa berufen worden war, würde damit wie seinem Vorgänger Heinrich von Pierer eine Geldbuße von bis zu einer Million Euro drohen.
Oberstaatsanwalt Anton Winkler wollte den Bericht auf Anfrage nicht kommentieren.
Kein Komplettverkauf von SEN?
Einem weiteren Bericht zufolge will sich Siemens zudem nicht vollständig von seiner Problemsparte Siemens Enterprise Communications [SEN] trennen.
Bisher hatte die Staatsanwaltschaft lediglich bestätigt, gegen Pierer wegen des Verdachts auf Verletzung der Aufsichtspflichten nach dem Ordnungswidrigkeiten-Gesetz zu ermitteln.
Siemens will SEN-Beteiligung
Laut einem Bericht der "Financial Times Deutschland" vom Freitag sei Siemens "bereit, die kommende Transformation des Geschäfts zu begleiten, indem sie eine Beteiligung an dem Unternehmen in seiner zukünftigen Form halten wird." Das habe Siemens-Finanzvorstand Joe Kaeser in einem Brief Ende April an SEN-Kunden geschrieben.
Siemens werde auch sicherstellen, dass neue Produkte weiterentwickelt und die bestehenden Telefonnetze der Kunden auf künftige Lösungen migriert werden können.
Beruhigung der Kunden
Ein Siemens-Sprecher sagte auf Anfrage lediglich, "dass Unternehmen befindet sich mit verschiedenen Interessenten in Verhandlungen, die weit gediehen sind." Darüber hinaus wollte er sich nicht äußern.
Das Schreiben soll laut Bericht die Kunden der SEN-Unternehmensnetze beruhigen, die durch den seit zwei Jahren dauernden Verkaufsprozesses verunsichert sind und abzuspringen drohen. Kaeser wollte demnach schon Ende April eine Einigung erzielen, nun werde laut Siemens-Kreisen bestenfalls mit einem Abschluss in diesem Sommer gerechnet.
Cerberus oder Nortel
Als Favorit gelte der US-Investor Cerberus. Auch der kanadische Konkurrent Nortel soll noch im Rennen sein. Gehe SEN an einen Finanzinvestor, würde Siemens einen Minderheitsanteil an SEN behalten. Bei einem Verkauf an einen strategischen Käufer wie Nortel sei geplant, dass Siemens an diesem Anteile erwirbt.
(APA | dpa)
