HP will IT-Dienstleister EDS übernehmen

Gespräche
13.05.2008

Mit einer milliardenschweren Übernahme im IT-Dienstleistungssektor will der weltgrößte Computerhersteller Hewlett-Packard den Branchenprimus IBM angreifen.

HP teilte am Dienstag mit, den IT-Dienstleister EDS für insgesamt 13,9 Milliarden Dollar kaufen zu wollen. Zugleich legte der Computerbauer vorgezogene Quartalszahlen vor, die besser ausfielen als erwartet, und hob den Ausblick für das Gesamtjahr an. Der Aktie nutzte das nichts. Vorbörslich sank der Kurs des HP-Papiers in New York um mehr als zwei Prozent.

Zwölf Milliarden US-Dollar Kaufpreis

Für die Übernahme zahlt Hewlett-Packard an die Aktionäre von EDS 25 Dollar je Anteilsschein in bar, was einem Aufschlag von 33 Prozent auf den Schlusskurs vom Freitag entspricht. Netto beträgt der Kaufpreis damit 12,6 Milliarden Dollar, hinzu kommen Schulden des Übernahmekandidaten. Beide Firmen hatten bereits am Montagabend bestätigt, Gespräche in einem fortgeschrittenen Stadium zu führen. An den US-Börsen entfachte die Nachricht erstmals seit längerem wieder Fusionsfantasien für die Tech-Branche und ließ Kurse auf breiter Front leicht steigen.

Die EDS-Aktie legte um fast 28 Prozent auf 24,13 Dollar zu, HP-Papiere gaben indes fast fünf Prozent auf 46,74 Dollar nach. Die HP-Anleger seien skeptisch mit Blick auf die nur langsam wachsende EDS, hieß es auf dem Markt. Daher sei fragwürdig, ob der hohe Aufschlag gerechtfertigt sei. Mit dem Zukauf würde HP bei den Computerdienstleistungen näher an IBM heranrücken. Der Umsatz der Branche stieg 2007 Daten des Marktforschers Gartner zufolge um 10,5 Prozent auf 748 Milliarden Dollar. IBM hat einen Anteil an dem Markt von 7,2 Prozent. EDS ist die Nummer zwei mit 3,0 Prozent, HP mit 2,2 Prozent die Nummer fünf.

Konkurrenz aus Indien

HP und EDS kämen zusammen auf einen Jahresumsatz von zuletzt 39,4 Milliarden Dollar, IBM setzte 2007 rund 54 Milliarden Dollar um. EDS hat zuletzt allerdings einen drastischen Gewinnrückgang ausgewiesen und kämpft mit äußerst harter Konkurrenz aus Indien. Um gewinnträchtiger zu werden, hat EDS bereits Tausende Arbeitsplätze gestrichen.

Den vorgezogenen Quartalszahlen zufolge geht es HP dagegen blendend. Im zweiten Quartal lag der Gewinn ohne Sonderposten bei 87 Cent pro Aktie. Analysten hatten mit 84 Cent gerechnet. Der Umsatz lag bei 28,3 Milliarden Dollar. Für das Gesamtjahr rechnet HP jetzt mit einem Umsatz von 114,2 Milliarden bis 114,4 Milliarden Dollar, nach 113,5 Milliarden und 114 Milliarden Dollar. Den erwarteten Gewinn je Aktie ohne Sonderposten bezifferte der Konzern für 2008 auf 3,54 bis 3,58, nach zuletzt 3,50 und 3,54 Dollar.

(Reuters)