Bild: Janko Röttgers

Limewire teilt Werbeeinnahmen

12.05.2008

Der Tauschbörsenanbieter Limewire arbeitet an einer massiven Expansion. Teil der Strategie sind potenziell lukrative Allianzen mit Musikern und Plattenfirmen. Diese sollen an den Werbeeinnahmen beteiligt werden.

Limewire-Geschäftsführer George Searle gab diese Woche auf einer P2P-Branchenkonferenz in Los Angeles bekannt, dass seine Firma in Zukunft Rechteinhaber an ihren Einnahmen beteiligen will. Musiker und Plattenfirmen sollen demnach 40 Prozent des Geldes bekommen, das Limewire mit kontextsensitiver Werbung erwirtschaften will.

Diese Fanmedia genannte Initiative ist Teil einer aggressiven Expansion, mit der Limewire neue Einnahmequellen erschließen will. Die Firma gab dazu im Jänner den Startschuss für ein eigenes Soziales Netzwerk namens Limespot. Im März eröffnete man den Limewire MP3 Store, der US-Nutzern knapp eine Millionen MP3s von kleinen und unabhängigen Labels zum Kauf anbietet.

Limewire ist einer der ältesten und populärsten P2P-Clients. Einer aktuellen Untersuchung der Firma PC Pitstop zufolge findet sich das Programm auf rund 17 Prozent aller europäischen PCs.

60 Millionen Nutzer

Im Zentrum der Limewire-Expansion steht jedoch die Idee, den Nutzern der Software in Zukunft kontextsensitive Werbung zu präsentieren. Searle sagte dazu, dass Limewires 60 Millionen Nutzer jeden Monat fünf Milliarden Suchanfragen generieren.

Wäre Limewire eine Suchmaschine, dann läge man damit noch vor Microsofts Live.com-Suchangebot und nur knapp hinter Yahoo. Der Unterschied zu diesen Suchmaschinen-Riesen sei, dass Limewire mit all diesen Nutzeranfragen keinen einzigen Cent verdiene, so Searle.

Kontextrelevante Anzeigen

Die Firma will das in den nächsten Wochen ändern, indem sie Nutzern direkt über den eigentlichen Suchergebnissen kontextrelevante Anzeigen präsentiert. Diese sollen sich deutlich von den normalen Suchtreffern abheben und auf externe Websites verweisen.

Anfangs will man das in erster Linie zum Bewerben des eigenen MP3-Store und des Limespot-Netzwerks nutzen, später sollen diese Werbeplätze jedoch auch Drittkunden zugänglich gemacht werden.

Fanmedia im Detail

==Keine Anzeigen von den Majors==

Limewire hat dazu bereits eine eigene Firma gegründet, die das Fanmedia-Anzeigennetzwerk betreuen soll. Werbekunden sollen die Möglichkeit haben, wie bei Googles Adwords-Programm Pay-per-Click-Textanzeigen für Künstlernamen und ähnliche Begriffe zu ersteigern.

Denkbar wäre beispielsweise, dass ein Klingeltonanbieter einen Dollar pro Mausklick für eine Anzeige für Jay-Z-Ruftöne ausgibt. Fanmedia würde davon 20 Cent kassieren. 40 Cent gingen an Limewire und 40 Cent an Jay Zs Plattenfirma. "Das wäre das erste Mal, dass derartige Einnahmen mit Rechteinhabern geteilt würden", sagte Searle dazu gegenüber ORF.at.

Rechtsstreit mit US-Plattenfirmen

Ob sich Jay Zs Label auf einen derartigen Deal einlässt, ist jedoch eher fraglich. Limewire wurde vor knapp zwei Jahren von den großen US-Plattenfirmen geklagt und wehrt sich seitdem vor Gericht gegen Versuche, die Tauschbörse zu schließen. Searle sagte dazu in Los Angeles, dass man anfangs wohl nur mit kleineren und unabhängigen Plattenfirmen zusammenarbeiten werde.

Gleichzeitig zeigte er sich optimistisch, dass der Konflikt mit der Musikindustrie beigelegt werden kann. Limewire-Nutzer seien bereit, ihre Lieblingsmusiker zu unterstützen, so Searle. "Sie tauschen Dateien, weil sie sich für die Inhalte begeistern, und nicht, um Rechteinhabern eins auszuwischen."

Limewire betreibt unter Limespot.com eine Web-Plattform für Bands und Musikfans. Im Zentrum des Angebots stehen bisher Weblogs wie das Limewire Music Blog. Langfristig soll die Plattform um Wikis, Foren und Social-Networking-Elemente erweitert werden.

Auch für andere Anbieter

Das Fanmedia-Anzeigennetzwerk soll langfristig auch anderen P2P-Anbietern sowie Musik-Blogs und Sozialen Netzwerken zugänglich gemacht werden. Limewire denkt dabei auch an firmeneigene Plattformen wie etwa Limespot.com und das Limewire Music Blog. Langfristig könne solch ein Anzeigengeschäft größer als die gesamte bisher existierende Musikindustrie werden, so Searle.

Bei Rechteinhabern stoßen derartige Ideen nach wie vor auf Skepsis. So lobte Fritz Attaway von der Motion Picture Association of America die Idee, Urheber finanziell zu beteiligen. Es sei jedoch ein Fehler, dass die Firma neben den Anzeigen weiterhin ungefilterte Tauschbörsen-Suchergebnisse präsentiere. "Ich glaube nicht, dass die P2P-Industrie ihren Nutzern diese Möglichkeit bieten sollte", so Attaway

(futurezone | Janko Röttgers)