Blogs + Pods + Clips + News = TV
Der neue US-Fernsehsender Current TV will der alten Idee der Bürgerbeteiligung ein neues Fernsehformat widmen. Die von Al Gore mitbegründete Station setzt dazu auf freie Mitarbeiter, die mit digitalen Videokameras kurze Clips erstellen und dabei Online-Formate mit der Fernsehwelt vermählen.
Current TVKonvergenz einmal anders
Konvergenz ist seit Jahren eines der Lieblingsworte der Medienbranche. Gerade in der Fernsehwelt hat das Zusammenwachsen von Neu und Alt jedoch bisher seine Grenzen. Sender legen sich Websites zu, leisten sich hin und wieder mal einen Chat. Experimente auf dem Bildschirm gelten dagegen als verpönt - schließlich könnten irritierte Zuschauer ja umschalten. Ein paar Schritte weiter geht jetzt der neue Fernsehsender Current TV, der Anfang August den Sendebetrieb in den USA aufnahm.
Currents Programm besteht aus ein bis fünf Minuten langen Dokumentarkurzfilmen und Montagen, im Senderjargon auch Pods genannt. Thematisch widmet man sich Jugendkultur, Technologie, Politik und dergleichen mehr. 25 Prozent der Inhalte werden von videobegeisterten Zuschauern produziert, die ihre Filme über eine Community-Website hochladen.
Enge Kontakte zu Video-Bloggern
Form und Inhalt der Current-Pods erinnern stark an so genannte Video-Weblogs - ein noch junges Netz-Genre, das die Ausdrucksstärke eines Weblogs mit kurzen Filmbeiträgen kombiniert. Viele Mitglieder der Current-Community betreiben denn auch eigene Weblogs. Ein Beispiel dafür ist Zadi Diaz, die ihre Videos im Rahmen verschiedener Blog-Projekte im Netz veröffentlicht. Diaz ist ehrenamtliche Organisatorin eines monatlichen Stammtischs von Current-Kontributoren in Los Angeles.
Die regelmäßigen Treffen nutzt man dazu, Ideen für eigene Current-Beiträge zu entwickeln und von den Fähigkeiten und dem Equipment der Gruppenmitglieder zu profitieren. "Wenn ich keinen Kameramann habe, keinen Moderator oder niemanden für den Schnitt - dann können wir unsere Ressourcen zusammenlegen und die Idee umsetzen", so Diaz.
Zadi DiazKritik an Rotationsfrequenz
Ganz unkritisch wird der Sender jedoch auch in der Video-Blogger-Szene nicht gesehen. So mehren sich Klagen über die hohe Rotationsfrequenz der ausgestrahlten Clips.
Diaz hat trotz ihres Engagements für den Sender auch ganz grundsätzliche Bedenken. "Current ist eine großartige Idee", meint sie. "Aber ich frage mich, ob das Kurzfilmformat der Pods vielleicht eher für Handys, iPods oder zum Anschauen im Netz geeignet ist."
Heute 22:30 im Ö1-Magazin matrix
Video killed the radio star - doch das Internet scheint den
klassischen Rundfunk keineswegs zu ersetzen. Ganz im Gegenteil:
Weltweite Verfügbarkeit sorgt dafür, dass klassische Medienkonzepte
jenseits der kommerziellen Massenunterhaltung eine Renaissance
erleben. So konnte der nichtkommerzielle Nischen-Radiosender KCRW
aus Santa Monica Hunderttausende neue Hörer gewinnen, indem er seine
Sendungen als Podcasts ins Netz stellte. Der neue US-Fernsehsender
Current.tv geht sogar noch weiter und will der alten Idee der
Bürgerbeteiligung ein neues Fernsehformat widmen. Ein Bericht von
Janko Röttgers aus Kalifornien.
matrix zum Download für Ö1-ClubmitgliederÖ1-TIPP: Radiokolleg 10.- 13.10., MO-DO, 9:05 Uhr
Am 1. August 1955 wurde die erste Fernsehsendung in Österreich ausgestrahlt. Das Jubiläum ist Anlass, den Siegeszug des Mediums in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts zu beleuchten und seine Entwicklungspotentiale auszuloten. Denn auf dem Weg in das digitale Zeitalter steht das Leitmedium Fernsehen vor neuen Herausforderungen. Wie hat das Fernsehen unsere Vorstellungen und Erfahrungen von Welt und Wirklichkeit beeinflusst? Wie hat es die Alltagskultur und die politische Kommunikation verändert? Welche Chancen bieten Breitband-Internet und Medienkonvergenz für das in die 50ziger gekommene Massenmedium? Wie wird das digitale TV aussehen? Welche innovativen Dienste und interaktiven Formate sind zu erwarten? Geht der Trend vom Couch Potatoe zum Sofa-Surfer? Ina Zwerger gibt einen Ausblick auf die Zukunft des Fernsehens: 5o JAHRE FERNSEHEN - Von der Flimmerkiste zur digitalen Television.
